© Siebenpfeiffer-Stiftung / Gemälde von Helmut Collmann / Mit freundlicher Genehmigung der Siebenpfeiffer-Stiftung

Liberaler Vorkämpfer für ein geeintes, republikanisches Deutschland

Philipp Jakob Siebenpfeiffer

12.11.1789 - 14.5.1845

Philipp Jakob Siebenpfeiffer gilt durch sein publizistisches Engagement als einer der bekanntesten liberal-demokratischen Persönlichkeiten des Vormärz. Als Initiator des Hambacher Festes von 1832 gestaltete er zudem eines der symbolträchtigsten Ereignisse der Demokratiegeschichte im 19. Jahrhundert maßgeblich mit.


In Lahr im Schwarzwald geboren, konnte Philipp Jakob Siebenpfeiffer eine gediegene Schulausbildung abschließen, obwohl er früh beide Elternteile verlor. Nach verschiedenen Verwaltungstätigkeiten studierte er Jura an der Universität Freiburg/Breisgau, und wohnte dort bei dem Staatswissenschaftler Karl von Rotteck. Mit ihm verband Siebenpfeiffer über die Studienzeit hinaus eine enge Freundschaft. Nach der Promotion folgten ab 1814 über vier Jahre hinweg zahlreiche Verwaltungstätigkeiten in bayerisch-österreichischen Diensten. 1818 wurde er schließlich „Landcommissär“ (Landrat) im pfalz-bayerischen Homburg an der Grenze zu „Rheinpreußen“. Krisen wie etwa Missernten, Hungersnöte, Epidemien sowie nicht zuletzt die Rezession der Wirtschaft veranlassten ihn, bei der Regierung des Rheinkreises sowie beim bayerischen Thron um Unterstützung und Gegenmaßnahmen nachzusuchen. Auch politische Reformen forderte Siebenpfeiffer. Da seine Bemühungen kein Gehör fanden, entschloss er sich unter dem Eindruck der Julirevolution in Frankreich 1830, mit publizistischen Mitteln seine Vorstellungen zu artikulieren.

Bereits durch die Erstausgabe seiner Zeitschrift Rheinbayern im Herbst 1830 geriet Siebenpfeiffer in Konflikt mit der bayerischen Regierung, die ihn sofort von seinem Amt als Landcommissär suspendierte. Wegen seiner kritischen Publikationen geriet Siebenpfeiffer immer wieder in Konflikt mit der Zensur. Mithin auf seine Initiative wurde am 29. Januar 1832 der „Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“ (kurz „Preßverein“) gegründet. Dieser setzte sich nicht nur für die Durchsetzung der verfassungsmäßig garantierten Pressefreiheit und gegen die Zensur ein, sondern unterstützte auch Journalisten, die wegen ihrer kritischen Berichterstattung im Gefängnis einsaßen. Siebenpfeiffer, der bereits zuvor ein deutsches „Nationalfest“ angeregt hatte, rief schließlich zusammen mit der Neustadter Filiale des „Preßvereins“ für den 27. Mai 1832 zum Hambacher Fest auf, das mit 30.000 (so die Schätzungen der Polizei) bis 60.000 (so Siebenpfeiffers eigene Schätzungen) zur größten Demonstration für Freiheit und Demokratie im Vormärz avancieren sollte. Die Einladung zu einem „Nationalfest der Deutschen“ richtete sich dabei auch erstmals ausdrücklich an Frauen.

Bei dieser Kundgebung wurde in verschiedenen Reden neben politischen Reformen auch immer wieder die eines republikanischen Gemeinwesens in einem „conförderierten Europa“ gefordert. Siebenpfeiffer selbst sprach von dem „Tag, wo ein gemeinsames deutsches Vaterland sich erhebt, das alle Söhne als Bürger begrüßt, und alle Bürger mit gleicher Liebe, mit gleichem Schutz umfaßt […]“. Auch sprach er sich für die Gleichberechtigung der Frauen aus.

Trotz großer Resonanz und allgemeiner Aufbruchsstimmung endete das Hambacher Fest ohne greifbare Ergebnisse. Siebenpfeiffer und weitere Wortführer wurden verhaftet; mehr als ein Jahr später wurde ihnen im „Landauer Assisenverfahren“ der Prozess gemacht. Die Angeklagten wurden von den Geschworenen zwar freigesprochen, gleichwohl blieben die Wortführer wie Siebenpfeiffer und Wirth wegen anderer Delikte in Haft. Siebenpfeiffer „entwich“ im November 1834 aus dem Gefängnis in Frankenthal und flüchtete auf abenteuerlichem Weg durch die Südpfalz über das Elsass in die Schweiz. An der reformfreudigen Universität in Bern übernahm er alsbald eine Professur und publizierte u.a. zu staatsrechtlichen fragen. Nach ersten Anzeichen einer „geistigen Zerrüttung“ wurde er 1842 in eine (für damalige Verhältnisse fortschrittliche) Irrenanstalt in Bümpliz bei Bern eingewiesen, wo er am 14. Mai 1845 verstarb.

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