Zum Projekt “100 Köpfe der Demokratie”

Die „100 Köpfe der Demokratie“ führen die große Bandbreite demokratischen Handelns und Wirkens in zwei Jahrhunderten vor Augen. Die Lebensläufe dieser 100 Männer und Frauen aus unterschiedlichen Regionen, Klassen, Schichten und Milieus stehen beispielhaft für vielfältige Ideen und Vorstellungen von „Demokratie“, für Konzeptionen von politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Teilhabe und Partizipation.

Nicht alle diese Köpfe waren erfolgreich, manche endeten mit ihrem Engagement in einer Sackgasse, einige haben auch erst nach schweren Irrtümern und Fehlern den Weg zur Demokratie gefunden, wieder andere schufen die Grundlage für unser heutiges Verständnis von Demokratie. Alle zusammen zeigen die historische Vielfalt von Demokratie – und warum sie für uns so aufregend ist.

Köpfe der Demokratie – was ist das?

„Köpfe der Demokratie“ sind Männer und Frauen, die sich für die Demokratie in ihren verschiedenen Formen, für die Verwirklichung von Partizipation möglichst breiter Kreise der Bevölkerung eingesetzt haben. Manche haben den Kampf um Teilhabe an der politischen Herrschaft oder um die Ausweitung von Bürgerrechten geführt. Vor allem Frauen waren bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein von der politischen Arena ausgeschlossen und haben ihr Engagement daher etwa ins Bildungswesen oder in die Wohlfahrtspflege verlagert, um über diesen Weg politische Teilhabe zu erreichen. Entsprechend vielfältig waren und sind die Formen des Engagements – in Parteien und Parlamenten, in Vereinen und Bewegungen, in Redaktionsstuben und Schulen, auf der Straße und in Versammlungen.

Was ist Demokratie?

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes, und sie umfasst das Versprechen gleicher Teilhabe. Für uns ist Demokratie heute nur auf Grundlage einer Verfassung denkbar, die die Herrschaft des Volkes über Verfahren definiert und die zudem die individuellen, gleichen Rechte jedes Bürgers und jeder Bürgerin garantiert. Das war aber nicht immer so. Erst spät und als Ergebnis eines langen Lernprozesses hat sich die liberale, parlamentarische Demokratie, wie wir sie heute kennen, durchgesetzt. Dabei bleibt die Frage, was wir unter Demokratie verstehen, stets selbst ein Gegenstand politischer Auseinandersetzung. Demokratie ist im Wandel. Und sie ist zerbrechlich. Wir erleben es jeden Tag.

Nur 100 Köpfe?

Es gibt mehr als hundert Demokratinnen und Demokraten, gewiss. Die hundert Köpfe indessen führen uns die Vielfalt demokratischen Engagements vor Augen, ohne dass wir den Überblick verlieren. Sie bilden keinen abgeschlossenen Kanon zertifizierter Demokratinnen und Demokraten, sondern vielmehr ein Angebot an alle, die sich mit unserer Demokratie und ihrer Geschichte auseinandersetzen wollen, auch an alle, die nach Orientierung und vielleicht sogar nach Vorbildern suchen. Die „100 Köpfe der Demokratie“ – das sind hundert Türöffner zu Themen und Aktionsfeldern. So wie sich die Demokratie ständig verändert und neue Impulse setzt, so werden auch wir unsere „100 Köpfe“ immer wieder mit weiteren Biographien neu besetzen, erweitern und so rotieren lassen.

Wir laden Sie zum Mitmachen ein!

  • Organisieren Sie eine Veranstaltung vor Ort. Wenn Sie in einer Bildungsinstitution tätig sind, würden wir uns freuen, wenn Sie zu einem der „100 Köpfe der Demokratie“, den Sie für besonders spannend halten, eine Veranstaltung Ihrer Wahl (Vortrag, Workshop, Lesung, Buchpräsentation usw.) organisieren. Wir unterstützen Sie dabei, indem wir Ihnen einschlägige Expertinnen und Experten nennen und Kontakte vermitteln. In der Pilotphase 2021 werden wir, wenn möglich, bundesweit jede Veranstaltung, die zu einem der Köpfe stattfindet, mit einem Zuschuss fördern.
  • Schicken Sie uns weitere Vorschläge für unsere „Hunderterliste“. Wir prüfen sie und nehmen sie, wenn möglich, in den Nominierungspool der „100 Köpfen der Demokratie“ auf.
  • Kommentieren oder widersprechen Sie unserer Auswahl. Wir freuen uns auf die Debatte.

Wie geht es weiter?

Wie die Demokratie, so ist auch unser Projekt ein work in progress. Wir werden die „100 Köpfe der Demokratie“ nach und nach austauschen, das Spektrum insgesamt erweitern, an den „100 Köpfen“ aber festhalten. Zudem werden wir zur Spurensuche vor Ort aufrufen und regionale oder kommunale „Köpfe der Demokratie“ präsentieren. Wir werden ein Programm für Schulen entwickeln, das die Biographien für den historisch-politischen Unterricht erschließt, und interaktive Tools entwickeln, die jede Bürgerin und jeden Bürger zur Mitwirkung einlädt. Außerdem werden wir für die „100 Köpfe der Demokratie“ werben. Helfen Sie uns dabei!

Projektkontakt:

Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart

Betreuerin: Dr. des. Maike Hausen

E-Mail: 100koepfe(at)stiftung-heuss-haus.de