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Politischer Kommentator im Zeitalter der Revolutionen

Ludwig Börne

6.5.1786 - 12.2.1837

Der Schriftsteller und Publizist Carl Ludwig Börne war einer der entscheidenden politischen Vordenker des Vormärz. In seinen Schriften unterstrich er, auch aus der eigenen Erfahrung von Diskriminierung, immer wieder demokratische Grundrechte als Voraussetzung gesellschaftlicher wie politischer Veränderung.


Ludwig Börne wuchs als Juda Löb Baruch im jüdischen Getto Frankfurts auf; nach einem Studienbeginn in Medizin wechselte er 1807 in die Rechtswissenschaften und promovierte 1808 in Gießen zum Dr. phil. Wohl auch aus der Erfahrung, dass ihm als Juden 1815 die erst kurz zuvor eingerichteten Bürgerrechte wieder genommen wurden und er dazu seine Anstellung als Polizeibeamter verlor, ließ sich Baruch 1818 taufen und änderte seinen Namen in Carl Ludwig Börne. Im gleichen Jahr gründete er die Zeitschrift Die Wage, mit der er sich nicht nur als Theaterkritiker etablierte, sondern auch als politischer Beobachter seiner Zeit. Dabei maskierte er seine politischen Forderungen mit Witz, Poetik und Pathos, was seine Schriften jedoch nicht vor der Zensur bewahrte.

Obwohl er selbst in seiner Korrespondenz nicht frei war von Ressentiments gegenüber Angehörigen des jüdischen Glaubens, stritt Ludwig Börne über seine eigenen Diskriminierungserfahrungen in der Wage wie auch anderen Publikationen beharrlich für allgemeingültige Grundrechte, Gleichberechtigung und Toleranz. Solche Freiheiten und Rechte sah er zunächst auch in einer konstitutionellen Monarchie realisierbar, wandelte sich im Verlauf des Vormärz aber immer mehr zum Befürworter republikanischer Strukturen, die für ihn auch jenseits des Nationalstaats verwirklicht werden sollten.

Aufgrund anhaltender politischer Zensur und Verfolgung wechselte Ludwig Börne immer wieder seinen Wohnort und lebte kurzzeitig in Stuttgart und München, bevor er sich 1830 in Paris niederließ. Hier wurde er, befeuert durch die französische Julirevolution 1830, Befürworter ähnlicher Veränderungen in Deutschland. Seine Briefe aus Paris waren den deutschen gemäßigten Liberalen zu progressiv, während radikalere Demokraten wie etwa Philipp Jakob Siebenpfeiffer seine Schriften feierten und ihn 1832 zum Hambacher Fest einluden. In den letzten Jahren seines Lebens bewegte sich Börne weiter zwischen radikalem Freiheitsdenken und bürgerlichen Reformansätzen. Er blieb ein kompromissloser Verfechter von Freiheitsbestrebungen, was ihn auch in die Auseinandersetzung mit seinem Weggefährten Heinrich Heine brachte, der ihm politischen Radikalismus vorwarf.