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Themenschwerpunkt: 150 Jahre Kaiserreich

Am 18. Januar 2021 jährte sich die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs zum 150. Mal. Aus diesem Grund stellt die AG Orte der Demokratiegeschichte hier Ressourcen zur Verfügung, die dabei helfen sollen, die ambivalente Rolle des Kaiserreichs in der deutschen Geschichte und für die deutsche Demokratie zu bewerten. Ziel ist es den Sinn für die Komplexität des politischen Systems, der Gesellschaft und der politischen Kultur des Kaiserreichs in einer breiteren Öffentlichkeit schärfen.

Das Kaiserreich war ein Obrigkeitsstaat, ohne Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem Volk bzw. dem Reichsparlament. Gleichzeitig fanden jedoch Wahlen zum Reichstag unter einem im internationalen Vergleich wegweisenden allgemeinen und freien Männerwahlrecht statt. Als der Staat sich von der aufsteigenden Sozialdemokratie bedroht sah, reagierte er mit dem repressiven „Sozialistengesetz“. Die Repression führte aber eher zu einer Mobilisierung und Stärkung der Arbeiterbewegung und keinesfalls zu deren Zerschlagung. Parteien konnten im Reichstag und in den Landtagen ein Kompromiss-Dispositiv ausbilden und strategische Bündnisse erproben. Ohne die Möglichkeit zur Übernahme von Regierungsverantwortung wurde jedoch gleichzeitig eine Haltung der politischen Verantwortungslosigkeit und permanenten Opposition befördert.

Verlinkt finden Sie Veranstaltungsdokumentationen, die einzelne Aspekte des Kaiserreichs intensiver ausleuchten. Darüber sind die Beiträge eines Online-Workshops dokumentiert, auf dem am 29./30. Oktober 2020 40 Expertinnen und Experten über die Stellung des Kaiserreichs in der deutschen Demokratiegeschichte diskutierten.