Der WDR ist ein Ort der Demokratiegeschichte
Am 19. Oktober 2026 hat der Westdeutschen Rundfunk (WDR) unsre Plakette „Ort der Demokratiegeschichte“ erhalten. Bei einer Feierstunde wurde am Haupteingang des Funkhauses Wallrafplatz in Köln eine Plakette enthüllt, die stellvertretend für den gesamten Sender steht. Zugleich ist der WDR in unsere bundesweite Karte der Demokratiegeschichte aufgenommen worden. Wir würdigen damit den Beitrag des WDR zu unabhängiger Berichterstattung, freier Meinungsbildung und demokratischer Öffentlichkeit, und ein Gebäude, das den Weg des Rundfunks von staatlicher Kontrolle und NS-Propaganda hin zu einem freien, staatsfernen Medienhaus verkörpert.
Mehr zur Geschichte des Funkhauses Wallrafplatz finden Sie im Eintrag auf unserer Karte der Demokratiegeschichte.


Eine Feierstunde am Wallrafplatz
Die Auszeichnung wurde im Beisein von WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau, dem nordrhein-westfälischen Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien Nathanael Liminski, der Aufsichtsratsvorsitzenden der FUNKE Mediengruppe Julia Becker und unserem stellvertretenden Direktor Carsten Männlein verliehen. „Das Funkhaus am Wallrafplatz erinnert daran, dass der Rundfunk seit seinen Anfängen informierte Debatten ermöglicht, vor Desinformation schützt und die Kommunikationsfreiheiten als zentrale und von unserer Verfassung garantierte Grundrechte lebendig hält“, betonte Carsten Männlein. Katrin Vernau hob hervor, dass der Rundfunk nach dem Ende der NS-Diktatur bewusst neu gedacht worden sei: „unabhängig vom Staat, verpflichtet allein den Menschen und der Wahrheit. Dass der WDR heute als Ort deutscher Demokratiegeschichte ausgezeichnet wird, würdigt genau diese Idee.“




Von Münster nach Köln
Die Anfänge des WDR liegen nicht in Köln. Nach dem Ersten Weltkrieg waren Rheinland und Ruhrgebiet von alliierten Truppen besetzt, Funkanlagen und deutschsprachige Sender waren dort verboten. Um das Ruhrgebiet trotzdem mit Programm zu versorgen, gründeten die unbesetzte Stadt Münster, die Reichspost und private Geldgeber am 15. September 1924 die Westdeutsche Funkstunde AG, die am 10. Oktober 1924 auf Sendung ging. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen holte der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Sender in die Domstadt. Als Westdeutsche Rundfunk AG sendete er ab 1927 aus Köln.
Gleichschaltung und Zerstörung
Bereits 1932 geriet der Rundfunk im Deutschen Reich unter staatliche Kontrolle. Nach der Machtübernahme 1933 schalteten die Nationalsozialisten ihn gleich und machten ihn zu einem zentralen Instrument ihrer Propaganda. Der Kölner Sender ging 1934 in der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft auf. In der Nacht zum 31. Mai 1942 wurde das Funkhaus bei einem Luftangriff der Royal Air Force zerstört.
Neubeginn nach 1945
Schon im September 1945 ging im zerstörten Köln der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) auf Sendung, zunächst provisorisch aus dem alten Funkhaus in der Dagobertstraße. Im April 1948 begann unweit des Doms der Bau eines neuen Funkhauses, für den aus Materialmangel die Ruine des Hotels Monopol mitverwendet wurde. Das Ergebnis galt als eines der modernsten Funkhäuser Europas. Seine geschwungenen Formen stehen für eine bewusste Abkehr von der Architektur des Nationalsozialismus. Der Große Sendesaal mit seiner Klais-Orgel wurde zum ersten großen Konzertsaal im kriegszerstörten Köln. Die 50 Zentimeter dicken, mit Schweizer Birnbaum verkleideten Wände sollten verhindern, dass die Petersglocke des Doms in den Sendesälen zu hören war. Am 21. Juni 1952 wurde das Funkhaus im Beisein von Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet. 1956 löste sich der NWDR auf, und der WDR nahm als eigenständiger, föderal organisierter Sender für Nordrhein-Westfalen den Betrieb auf.
Ein Ort demokratischer Öffentlichkeit
Aus dem Radiosender ist über die Jahrzehnte ein multimediales Medienhaus geworden. Sein Auftrag ist geblieben: Menschen informieren, unterschiedliche Perspektiven zeigen und öffentliche Debatten möglich machen. Das denkmalgeschützte Funkhaus ist heute zugleich ein lebendiger Veranstaltungsort, den jährlich rund 70.000 Menschen bei mehr als 200 Konzerten und Veranstaltungen besuchen. Mit der Auszeichnung würdigen wir öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ausdrücklich als Orte demokratischer Öffentlichkeit und freier Berichterstattung, denn freier Journalismus ist eine Voraussetzung für Teilhabe, kritische Auseinandersetzung und die Zukunftsfähigkeit der Demokratie.
Bildquellen
- : ©WDR/Annika Graeff
- Alle Bilder: ©WDR/Annika Graeff
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