Das Funkhaus Wallrafplatz ist das älteste Gebäude des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln. Es steht für den Wandel des Rundfunks von staatlicher Kontrolle hin zum unabhängigen multimedialen Medienhaus.
Die Ursprünge des WDR gehen weiter zurück, seine Wiege stand nicht in Köln. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 waren Rheinland und Ruhrgebiet von Truppen der Siegermächte Frankreich, Belgien, Großbritannien und USA besetzt. Der Versailler Vertrag von 1919 befristete die Anwesenheit der fremden Truppen auf 15 Jahre, bis 1935. Aus Furcht vor Spionage waren der Betrieb von Funkanlagen, der Aufbau deutschsprachiger Rundfunksender und sogar das Halten von Brieftauben untersagt. Zur Versorgung des Ruhrgebiets gründeten die nicht besetzte Stadt Münster gemeinsam mit der Reichspost, zwei Kaufleuten und einem Bankier am 15. September 1924 die Westdeutsche Funkstunde AG (WEFAG). Am 10. Oktober 1924 ging dieser erste Sender für das Ruhrgebiet auf Sendung.
Nach dem Abzug der Besatzungstruppen Anfang 1926 war es dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer möglich, den Sender in die Domstadt zu holen. Zum 1. Januar 1927 verlegte die WEFAG ihren Sitz nach Köln in die Dagobertstraße 38 und benannte sich in Westdeutsche Rundfunk AG (WERAG) um. Schon am 1. Januar ging die WERAG auf Sendung. Wenige Tage später wurde am 28. Februar 1927 zum ersten Mal der Kölner Rosenmontagszug übertragen.
1932 geriet der Rundfunk im ganzen Deutschen Reich unter staatliche Kontrolle. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 kam es deutschlandweit zur „Gleichschaltung des Rundfunks“. Die WERAG ging 1934 in die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) über. Im Zuge des Luftkriegs im Zweiten Weltkrieg fiel der „Reichssender Köln“ des „Großdeutschen Rundfunks“ in der Nacht vom 30. Mai 1942 einem Bombardement der Royal Air Force zum Opfer und wurde danach aufgelöst.
Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 wurde im September 1945 für das Gebiet der britischen Besatzungszone der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) gegründet. Hauptsenderstandort war Hamburg. In Köln befand sich das, durch den Krieg stark zerstörte Funkhaus, das den Sendebetrieb provisorisch am 26. September 1945 aufnehmen konnte. Im April 1948 begann unweit des Kölner Doms der Bau des neuen Funkhauses an der Stelle des alten Hotels Monopol, dessen Ruine wegen Materialknappheit in den Neubau integriert wurde. Bei seiner Fertigstellung galt das Funkhaus als eines der modernsten Europas. Das geschwungene Innere des Gebäudes verkörpert eine bewusste Abkehr von der Architektur des Nationalsozialismus und verfügt über eine Fülle künstlerischer und architektonischer Details im Stil der 50er Jahre. Der große Sendesaal, der erste große Konzertsaal im zerstörten Köln der Nachkriegszeit, ist mit einer großen Klais-Konzertorgel ausgestattet und wurde als akustische Sensation gefeiert. Die 50 Zentimeter dicken Wände sind schalldicht konstruiert und mit schallstreuendem Schweizer Birnbaum verkleidet. Dies sollte verhindern, dass das Läuten der Petersglocke des benachbarten Kölner Doms in den Sendesälen zu hören war. Am 21. Juni 1952 wurde das Funkhaus im Beisein von Bundespräsident Theodor Heuss und 700 weiteren Gästen feierlich eröffnet.
1956 wurde der NWDR auf Wunsch der Politik, die schon seit mehreren Jahren einen eigenen Sender für Nordrhein-Westfalen angestrebt hatte, aufgelöst. WDR und NDR nahmen zum 1. Januar 1956 als eigene Nachfolgesender des NWDR den Betrieb auf. Der WDR sendete ab 1956 zunächst zwei Hörfunkprogramme und lieferte seinen Anteil zum ARD-Gemeinschaftsprogramm des Deutschen Fernsehens. Den Fernsehbereich übernahm bis 1961 zunächst noch der „Nord- und Westdeutsche Rundfunkverband“ (NWRV). Am 30. August 1998 startete der WDR seine internationale und interkulturelle Radiowelle „Funkhaus Europa“ in Nachfolge der Fremdsprachensendungen, die bereits ab 1961 im WDR Hörfunk zu hören waren. „Funkhaus Europa“ richtete sich tagsüber auf Deutsch an ein breites Publikum und bot abends Sendungen in den wichtigsten Muttersprachen der Zuwandererinnen und Zuwanderer in Deutschland an.
Aus dem ursprünglichen Radiosender entwickelte sich der WDR über die Jahrzehnte ein multimediales Medienunternehmen. Pläne, den WDR an den Stadtrand von Köln zu verlagern wurden nicht zuletzt wegen des Funkhauses und der Nähe zum Publikum nicht umgesetzt. Der WDR behielt seinen Sitz in der Innenstadt, modernisierte dort seine Gebäude und errichtete zugleich in Köln-Bocklemünd einen großen Produktionsstandort mit Studios und Werkstätten. Heute ist der WDR in der Kölner Innenstadt auf neun eigene Gebäude verteilt. Das Funkhaus Wallrafplatz, seit 1994 denkmalgeschützt, wird jährlich von 70.000 Menschen in mehr als 200 Konzerten und Veranstaltungen besucht.
Zum Ort: Westdeutscher Rundfunk (WDR)
