„By Authority of the Good People“: Freiheit und Gleichheit in Zeiten illiberaler und autokratischer Politik
Christina Morina (Universität Bielefeld), Till van Rahden (Université de Montréal), Tine Stein (Georg-August-Universität Göttingen); Moderation: Lukas Fuhr (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Wann? Donnerstag, 2. Juli 2026, 20:00 Uhr
Wo? Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

Über den Vortrag
»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«, heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dagegen erklärten sich die dreizehn amerikanischen Kolonien für unabhängig, indem sie sich auf die »authority of the good people« beriefen. Was meint hier »gut«: Ist das Volk an sich gut, auf dessen Zustimmung die Legitimität der Volksherrschaft beruht? Oder sollte in einer Demokratie nur das gute Volk herrschen, das »schlechte« jedoch nicht?
Das Podiumsgespräch kreist um die Frage, welche Bedeutung den Ideen der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in der gegenwärtigen Debatte über die Krise der Demokratie zukommt. Was heißt es, wenn eine rechtsextreme Partei wie die Alternative für Deutschland programmatisch beansprucht, den »Geist von Freiheit und Demokratie grundlegend zu erneuern«? Wie bedeutsam ist es, dass auch die »Make America Great Again«-Bewegung am 4. Juli 2026 die Unabhängigkeitserklärung feiert, die sie mit Donald Trump als eine »Erklärung der Einigkeit und der Liebe und des Respekts« begreift? Ist es sinnvoll, sich heute auf das Versprechen allgemeiner Gleichheit und Freiheit der amerikanischen Revolution zu berufen, ohne von Sklaverei und kolonialer Gewalt zu sprechen? Lässt sich das Ideal eines demokratischen »common sense«, so wie es der Founding Father Thomas Paine zeichnete, auf unsere Gegenwart übertragen? Welche Denkanstöße gehen heute von der Unabhängigkeitserklärung aus, wenn wir die Demokratie als Herrschafts- und Lebensform wahren und erneuern wollen?
Auf dem Podium
Christina Morina (Universität Bielefeld), Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte und Autorin von „Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren“ (2023) und „Das amerikanische Beben. Erfahrungen und Konsequenzen für die deutsche Demokratie“ (2026)
Till van Rahden (Université de Montréal), Professor für Deutschland- und Europastudien, Experte für die Geschichte seit der Aufklärung. Dabei interessiert er sich besonders für die Spannung zwischen dem Versprechen demokratischer Gleichheit und der Allgegenwart von kultureller Verschiedenheit.
Tine Stein (Universität Göttingen), Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte mit Fokus auf die normativen Grundlagen des demokratischen Verfassungsstaates, insbesondere auf das Verhältnis von Politik, Recht und Religion sowie auf Fragen von Demokratie und ökologischer Verantwortung.
Moderation: Lukas Fuhr (FAZ)
Über die Reihe
Im Jahr 2026 jährt sich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zum 250. Mal. Das John McCloy Transatlantic Forum am Forschungskolleg Humanwissenschaften nimmt dies zum Anlass, um sich – gerade auch vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen in den USA – in einer interdisziplinären Vortragsreihe mit der Wirkungsgeschichte und Aktualität der »Declaration of Independence« zu befassen.
Die Reihe wird in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte veranstaltet.
Anmeldung
Zur besseren Disposition bitten wir um vorherige Anmeldung bis zum 29. Juni 2026 unter:
anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de.
Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.
Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie unter folgendem Link.
