Was bedeutet Freiheit für dich?
Am 10. Juli fand im Salmen in Offenburg der Abschluss eines besonderen von uns geförderten Mitmachprojekts statt. Über mehrere Monate hinweg haben sich Jugendliche und Studierende mit der Frage „Was bedeutet Freiheit für dich?“ auseinandergesetzt. Ihre Antworten fanden Ausdruck in einer künstlerischen Performance, die persönliche Perspektiven mit der bewegten Geschichte dieses Ortes verband.

Seit Februar hieß es „Mitmachen, mitgestalten, mitentscheiden – im Salmen, dem Offenburger Haus der Demokratie“. Jugendliche von 14 bis 18 Jahren und Studierende der Hochschule Offenburg brachten ihr Verständnis für Freiheit in Geschichte, Gegenwart und Zukunft individuell zum Ausdruck. Begleitet von der Tänzerin und Choreografin Rica Matthes, entwickelten die Teilnehmenden dafür individuelle und kollektive Formen, die künstlerische Praxis, historische Auseinandersetzung und gesellschaftspolitische Reflexion miteinander verbanden. In Schulworkshops und durch öffentliche Interviews entstanden Beiträge aus Tanz, Bewegung, Fotografie, Film und Text. Zur Präsentation am begrüßten Dr. Valerie Schoenenberg, Abteilungsleiterin für Stadtgeschichte und Heimatpflege, sowie unser Referent für Projektförderung David Barth.
Ausgangspunkt der Arbeit war der Salmen selbst, als vielschichtiger Ort, der Demokratie- und Diktaturgeschichte. Hier verkündeten am 12. September 1847 die „Entschiedenen Freunde der Verfassung“ um Friedrich Hecker und Gustav Struve die „13 Forderungen des Volkes“. Dieser erste deutsche Grundrechtekatalog formulierte zentrale Freiheitsrechte und wurde zu einem wichtigen Impuls für die Badische Revolution von 1848/49. Doch die Geschichte des Gebäudes erzählt nicht nur von Aufbruch und Emanzipation, sondern auch von Ausgrenzung und Gewalt. Ab 1875 diente der Salmen der jüdischen Gemeinde Offenburg als Synagoge. Am 10. November 1938 wurde er von Nationalsozialisten geschändet und verwüstet. Diese historische Vielschichtigkeit war ein wichtiger Bezugspunkt für die Projektarbeit.
Das Projekt machte deutlich, dass Demokratiegeschichte kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern immer wieder neu befragt, verhandelt und gestaltet werden muss. Indem junge Menschen ihre eigenen Perspektiven auf Freiheit entwickelten und mit der Geschichte des Ortes in Beziehung setzten, entstand ein lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Abschlussperformance schuf einen Raum, in dem über die Projektgruppe hinaus über diese Verbindungen reflektiert wurde.
Realisiert wurde das Projekt durch den Salmen Offenburg unter Leitung von Jaana Klumpp in Kooperation mit der Fakultät Medien der Hochschule Offenburg und der Kunstschule Offenburg. Gefördert wurde es von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte.




Alle Bilder: © Der Salmen
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