Hugenottenrathaus Neu-Isenburg

Im September 2026 wird das Hugenottenrathaus von Neu-Isenburg für vier Wochen als großformatige Skulptur auf dem Marktplatz der historischen Altstadt zu erleben. Das von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte geförderte Projekt inszeniert das ehemalige Rathaus als zentralen Ort der Demokratiegeschichte und verbindet historische Aufklärung mit einem breiten Vermittlungsprogramm unter dem Titel „Demokratie Gestern, heute und Morgen?“. Den Auftakt machten das Richtfest am 12.09. um 14:30 Uhr sowie der Tag des offenen Denkmals am 13.09. mit zahlreichen Beiträgen Neu-Isenburger Vereine.

Demokratiehistorische Relevanz

Das Hugenottenrathaus steht für die frühe Praxis demokratischer Strukturen in Neu-Isenburg. Die 1699 von hugenottischen Glaubensflüchtlingen gegründete Siedlung erhielt mit dem „Privileg“ vom 20. September 1699 weitreichende Selbstverwaltungsrechte: Religionsfreiheit, kirchliche Selbstverwaltung durch ein gewähltes Konsistorium sowie die Urwahl der Pfarrer durch die gesamte Gemeinde. Ab 1702 wurden auf dieser Grundlage über mehr als ein Jahrhundert Mitbestimmung, freie Wahlen und Gewaltenteilung gelebt – eine demokratische „Insel“ inmitten absolutistischer Herrschaft.

Projektidee und Umsetzung: Fassadenskulptur und Programm

Nach 150 Jahren Abwesenheit kehrt das Rathaus als 1:1-Fassadenskulptur auf den Marktplatz zurück. Die Stadt hat den Bauantrag genehmigt; die Skulptur wird für vier Wochen dort stehen und als Impulsgeber für die Frage „Demokratie heute?“ wirken. Begleitet wird die Installation von einem vielseitigen Programm mit Vorführungen, künstlerischen Beiträgen und dem Theaterstück „Wir das Grundgesetz“, präsentiert von der Stiftung. Schirmherr ist der Bürgermeister; beteiligt sind unter anderem Stadtmuseum, Stadtbibliothek, Hugenottenhalle, VHS sowie weitere Vereine und Parteien.

Vermittlung und gesellschaftlicher Nutzen

Ziel des Projekts ist es, die demokratischen Wurzeln des historischen Stadtkerns ins öffentliche Bewusstsein zurückzuholen und einen nachhaltigen Dialog über Demokratie als fortwährende Aufgabe anzustoßen. Unter der Einbindung unterschiedlichster Zielgruppen – von Schulen über Vereine bis zur gesamten Stadtgesellschaft – entsteht ein Zugang zu Demokratiegeschichte, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.

Kulturtourismus und überregionale Strahlkraft

Für den Kulturtourismus wird das Hugenottenrathaus als identitätsstiftendes Wahrzeichen neu positioniert. Die temporäre Skulptur erzeugt überregionale Aufmerksamkeit, bindet Neu-Isenburg stärker in Netzwerke von Orten der Demokratiegeschichte ein und macht die Stadt als Reiseziel für historisch-politische Bildung attraktiver. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Erschließung demokratiehistorischer Orte für den Tourismus und zur Sichtbarmachung gemeinsamer europäischer Demokratieerzählungen.

Bildquellen

  • Historische Darstellung des Rathauses: gemeinfrei
  • Impressionen vom Richtfest: © Trägerverein Hugenottenrathaus Neu-Isenburg e.V.
  • Grußwort der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte: © Trägerverein Hugenottenrathaus Neu-Isenburg e.V.
  • Theaterstück „Wir das Grundgesetz“: © Trägerverein Hugenottenrathaus Neu-Isenburg e.V.
  • : © Trägerverein Hugenottenrathaus Neu-Isenburg e.V.