Die Villa Hammerschmidt in Bonn war ab 1949 Amtssitz des ersten Bundespräsidenten und wurde zum Symbol des demokratischen Neubeginns nach dem Zweiten Weltkrieg. Als „Weißes Haus am Rhein“ steht sie bis heute für die freiheitlich-demokratische Ordnung Deutschlands.


Die Villa Hammerschmidt wurde in den 1860er-Jahren als neoklassizistische Stadtvilla erbaut. Ursprünglich war sie Wohnsitz von Kaufleuten und Industriellen, zuletzt des Baumwollfabrikanten Rudolf Hammerschmidt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie kurzzeitig vom belgischen Militär besetzt, bevor sie 1950 von der Bundesrepublik für 750.000 D-Mark gekauft wurde. Die Villa liegt direkt am Rhein, in Nachbarschaft zum Palais Schaumburg – dem früheren Amtssitz des Bundeskanzlers.

Theodor Heuss, der erste Bundespräsident, zog 1950 dort ein. Auch er sah das Haus als Teil des „Provisoriums Bonn“ – eine junge Demokratie in einem geteilten Land. Das Gebäude und der weitläufige Park boten dem neuen Staatswesen einen würdigen, aber unaufdringlichen Rahmen. Heuss ließ die Villa umgestalten, entfernte überflüssige Zierbauten und formte aus ihr ein bürgerliches, stilvolles Amts- und Wohnhaus.

Von Beginn an war die Villa Hammerschmidt mehr als ein Amtssitz. Sie stand für den demokratischen Neuanfang nach der Diktatur und symbolisierte die Bescheidenheit der jungen Republik: kein Schloss, kein Prunk – sondern Bürgerlichkeit und Verantwortung. Viele historische Momente der Bundesrepublik fanden hier statt: Der erste Staatsbesuch eines ausländischen Oberhauptes, als Kaiser Haile Selassie I. 1954 empfangen wurde; Reden, Empfänge und die traditionellen Gruppenfotos der neu ernannten Bundesregierungen auf den Freitreppen der Villa.

Gäste aus aller Welt kamen hierher: John F. Kennedy, Königin Elizabeth II., Michail Gorbatschow. Über Jahrzehnte war die Villa Hammerschmidt der repräsentative Mittelpunkt der Bonner Republik. Nach der Wiedervereinigung und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin 1994 wurde Schloss Bellevue der Hauptsitz des Bundespräsidenten. Seitdem ist die Villa Hammerschmidt der Bonner Amtssitz. Wenn sich der Bundespräsident dort aufhält, weht die Amtsstandarte auf dem Dach – ein Zeichen, dass das „Weiße Haus am Rhein“ weiterhin Teil des politischen Lebens ist.

Heute steht sie am Bonner Rheinufer inmitten eines einzigartigen Ensembles der Demokratiegeschichte: mit dem ehemaligen Kanzlerbungalow, dem Palais Schaumburg, dem Bundesratsgebäude und dem alten Plenarsaal, in dem 1948/49 das Grundgesetz entstand. Zusammen bilden sie eine lebendige Erinnerungslandschaft an die politische Entwicklung Deutschlands nach 1945.

Bis heute nutzt der Bundespräsident die Villa Hammerschmidt für Empfänge, Konzerte und Feste. Besonders beliebt sind die „Tage der offenen Tür“, an denen Bürgerinnen und Bürger die repräsentativen Räume besichtigen können.


zum Ort: Bundespräsidialamt

Adresse

Kaiser-Friedrich-Straße 16
53113 Bonn