Rainer Henkel, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

Kanzlerbungalow

Bonn

Der Kanzlerbungalow im Park des Palais Schaumburg war von 1964 bis 1999 das Wohn- und Empfangsgebäude der deutschen Bundeskanzler. Der Bungalow aus zwei Quadraten, die den repräsentativen und den privaten Bereich voneinander abgrenzten, steht in der Bauhaus-Tradition. Bescheidenheit und demokratische Transparenz spiegelt das Gebäude gegenüber den Gästen wider, den privaten Bereich empfinden Besucher heute oft als spartanisch.


An dem Standort in einer Parklandschaft am Rheinufer in Bonn inmitten des Regierungsviertels bildete das Gebäude eine funktionale Einheit mit den Büros im Palais Schaumburg, dem Bundeskanzleramt und der Villa Hammerschmidt als Sitz des Bundespräsidenten. Die Architektur orientiert sich erkennbar an dem von Mies van der Rohe für die Weltausstellung in Barcelona geschaffenen deutschen Pavillon. Das Gebäude orientiert sich in den Park hinein. Die großen, vom Boden bis an das Dach reichenden Glasflächen und die Materialität, die einen nahtlosen Übergang von innen nach außen schaffen, unterstreichen diesen Charakter. So wird das Gebäude zum Symbol für Transparenz der Politik in der Demokratie. Hierdurch stellt sich das Haus ausdrücklich gegen die nach außen verschlossene, monumentale Architektur der zurückliegenden Epochen.

Die beiden Quadrate, die den Grundriss bilden, sollten nach den ursprünglichen Plänen des Architekten mit je 24 x 24 m gleiche Ausmaße haben. Kritische Diskussionen in politischen Gremien und in den Medien führten zu einer Verkleinerung des privaten Teils, wodurch die Wohnqualität erheblich eingeschränkt wurde. Die Bundeskanzler Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Helmut Schmidt und Helmut Kohl bewohnten das Gebäude mit seinen knapp 700 qm Gesamtnutzfläche während ihrer Amtszeiten. Staats- und Regierungschefs waren ebenso zu Gast wie Vertreter zahlreicher gesellschaftlicher Gruppe aus dem In- und Ausland. In internen Runden wurden hier wegweisende politische Entscheidungen diskutiert und vorbereitet. Willy Brandt nutzte das Gebäude lediglich für Besprechungen und Empfänge. Er wohnte während seiner Amtszeit als Bundeskanzler weiterhin in der Dienstvilla am Bonner Venusberg, die er bereits als Außenminister genutzt hatte. In dieser Zeit lud die Bundesrepublik Deutschland in den Bungalow auch hochrangige Staatsgäste ein, da seinerzeit in angemessener Nähe zum Regierungsviertel kein Gästehaus zur Verfügung stand.

Das seit 1999 leerstehende Haus wurde 2005 von der privaten Wüstenrot-Stiftung in ihr Denkmalprogramm aufgenommen und revitalisiert. Das Äußere des Gebäudes befindet sich weiterhin im bauzeitlichen Zustand, einschließlich der schusssicheren Glaswand zum Rhein hin, die im „Deutschen Herbst“ 1977 zur Sicherheit des Kanzlers errichtet wurde. Die Räume im repräsentativen Teil wurden unter Einbeziehung des Denkmalschutzes teils in den Zustand zurückversetzt, in dem Ludwig Erhard das Gebäude 1964 übernahm. Ein anderer Teil blieb in dem Zustand erhalten, in dem Bundeskanzler Helmut Kohl das Haus nach dem Ende seiner Kanzlerschaft Ende 1998 verlassen hatte. Genutzt wird es seit 2009 für Buchvorstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden, Hintergrundgespräche und kleine Empfänge. Die „Bungalow-Konzerte“ erinnern an die musikalischen Ereignisse, die auf Einladung der Hausherren in den repräsentativen Räumen stattfanden. Die demokratische Offenheit wird durch Begleitungen von Besuchergruppen durch die repräsentativen Räume und den Park aufgenommen. Eine kleine Ausstellung schildert die Bau- und Nutzungsgeschichte als Wohn- und Begegnungsstätte der Bundeskanzler.

In Zusammenarbeit mit: Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen


zum Ort: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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Bonner Republik

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