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Die Hohenzollern und die Demokratie nach 1918

Martin Sabrow Das Thema klingt klar umrissen und ist es doch keineswegs: Denn „die“ Hohenzollern stellten nach 1918 zu keiner Zeit die geschlossene Dynastie dar, wie sie allenfalls noch ihrem Oberhaupt Wilhelm II. im Doorner Exil vorschweb­te, noch agierten sie im Rahmen einer einheitlichen politischen Kultur und Öffentlichkeit. Das Spektrum der entmachteten Familie reichte schon […]

Die Reichsgründung zwischen Juden-Emanzipation und Antisemitismus

Sabine Mangold-Will „Von ungeheurem Patriotismus geschwellt“, so schrieb der liberale pfälzische Rabbiner Caesar Selig­mann, „war in jenen Tagen (der Reichsgründung, SMW), wie bis zum Weltkrieg 1914, mein leicht ent­zündliches Herz.“ Und der spätere preußische Justizrat Dr. Martin Lö­vin­son assistierte ihm im Rück­blick mit den folgenden Worten zum Jahr 1871: „Der siegreiche Krieg fand seinen Abschluß […]

Reichsgründung – Ein Erinnerungsort im deutschen Judentum?

Tobias Hirschmüller Allein die Fragestellung dieses Beitrags, ob die Reichsgründung ein Erinnerungsort im deutschen Judentum ist, könnte schon Einwände hervorrufen. Gab oder gibt es denn genau ein „deutsches Judentum“, dem sich einheitliche Einstellungen zuschreiben lassen, oder nicht eher viele jüdische Deutsche mit ganz unterschiedlichen Weltsichten? Es muss klar sein, dass es nur darum gehen kann, […]

Demokratische Intellektuelle im Kaiserreich

Marcus Llanque Gab es „demokratische“ Intellektuelle im Kaiserreich? Bereits das Verhältnis der meisten Intellektuellen der Kaiserreichs-Zeit zur Politik im Allgemeinen war spannungsreich, und das prägte auch ihre Einstellung zur Idee und Praxis der Demokratie. Ohne Zweifel gab es demokratische Züge in der politischen Ordnung des Kaiserreichs. Je weiter man sich von der Reichsebene entfernt, stößt […]

Das deutsche Kolonialreich nach 1918: Trauma, Glorifizierung, Vergessen und spätes Erinnern

Ulf Morgenstern Wer von Deutschland im 19. und frühen 20. Jahrhundert spricht, darf über die Kolonialgeschichte nicht schweigen. So kann eine Erkennt­nis lauten, zu der man seit einigen Jahren nach dem Blick in die Feuilletons und in einen wachsenden Teil der historischen Fachliteratur kommen kann. Was ist daran neu? Lange Zeit gehörte das globale Wirtschaften […]

Bundeswehr und Kaiserheer – Monarchistische Traditionen für demokratische Streitkräfte?

Florian J. Schreiner „Deutschlands Geschichte ist Soldatengeschich­te“, stellte Chefredakteur Frank Werner im Sonderheft der ZEIT „Die Deutschen und ihre Soldaten“ wie selbstverständlich fest. Auf dem Titelblatt prangt das Eiserne Kreuz, die vom preußischen Monarchen jeweils 1813, 1870 und 1914 gestiftete militärische Tapferkeitsauszeichnung im Kampf für „Kaiser, Gott und Vaterland“. Heute ist es das zentrale Identifikationsmerkmal […]

„KRIEG MACHT NATION“ – Eine Ausstellung des Militärhistorischen Museums zur Gründung des deutschen Kaiserreichs

Katja Protte Das Konzept von Nation und Nationalstaat steht heute mehr denn je im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und Sehnsucht nach Heimat und regionaler Identität. Das Militärhistorische Museum hat daher die 150-jährige Wiederkehr des Deutsch-Französischen Krieges und der Gründung des deutschen Kaiserreichs zum Anlass genommen, ein Thema aufzugreifen, dem sich lange Zeit kein großes Ausstellungsprojekt mehr […]

Vom Umgang mit der Reichsgründung in der
deutschen Geschichte nach 1871

Ulrich Lappenküper I. „Wir stehen heute fest auf dem Fundament der Freiheitsbewegung und der Demokratiegeschichte“, beteuerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 3. Oktober 2020 in einer Rede zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit – und fügte dann erläuternd hinzu: „Wir berufen uns auf die Ideen des Hambacher Festes, der Paulskirche, der Weimarer Demokratie, des Grundgesetzes und […]

„Wer Deutschland regieren will, muß es sich erobern“
Das Kaiserreich als monarchisches Projekt Wilhelms I.

Jan Markert „Unsere Generation erscheint mir wie die Märtyrer Generation“, klagte Prinz Wilhelm von Preußen (1797–1888) gegenüber seiner Schwester 1831, „wir sollen Alles durchmachen; vielleicht viele Umstellun­gen in der Welt und menschlichen Gesellschaft erleben, die […] einst zum Heil der Menschen ausschla­gen sollen, – von welchem Heil ich jedoch jetzt nichts ahnden kann […].“[1] Wie […]