Geb. 9.2.1895, Gräfenroda    Gest. 22.6.1959, Wiesbaden

Standhafter Sozialdemokrat zwischen Ost und West

Hermann Brills Leben war geprägt durch das rigorose Streben nach einer demokratischen Verfassung, die als politische wie gesellschaftliche Ordnung die Freiheit und Gleichheit des Einzelnen sichern sollte. In kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, schrieb er bereits für die Gothaer Räterepublik in der Novemberrevolution 1918/19 eine Verfassung. Das Wissen dazu hatte sich der 24-Jährige autodidaktisch angeeignet.

Für die gesamte Dauer der Weimarer Republik war Brill als Landtagsabgeordneter in Thüringen (erst USPD, ab 1922 SPD) tätig. Dabei trat er immer wieder politischen Extremen von links und rechts entschieden entgegen. Die Nationalsozialisten nahmen früh Einfluss auf das politische Geschehen in Thüringen, ebenso früh engagierte sich Brill gegen sie und organisierte ab 1933 den politischen Widerstand gegen Hitler. Als er 1938 verhaftet wurde, setzte Brill seine politische Opposition in Gefangenschaft fort. Im Konzentrationslager Buchenwald arbeitete er mit Kommunisten, Sozialisten, christlichen und liberalen Demokraten an einer demokratischen Nachkriegsordnung. Auf ihn ging auch das sogenannte „Buchenwalder Manifest“ zurück, der erste sozialdemokratische Entwurf zur Neugestaltung, veröffentlicht wenige Tage nach der Befreiung Buchenwalds.

Plakette am Wohnhaus von Brill in der William-Shakespeare-Straße, Weimar

Für genau diese demokratische Neugestaltung wollte Brill sich nach Kriegsende in seinem Heimatland Thüringen einsetzen. Durch die sowjetische Besatzungsmacht, aber auch in der eigenen Partei wurde er jedoch immer weiter isoliert und siedelte daraufhin Ende 1945 in den Westen über. Als Vertreter des Landes Hessens nahm er im August 1948 in Herrenchiemsee an den Sitzungen des Verfassungskonvents teil, welcher dem Parlamentarischen Rat eine Vorlage für die weitere Arbeit am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland machte. Von 1949 bis 1953 war Brill schließlich noch einmal Abgeordneter, diesmal im Bundestag, wo er sich unter anderem für die Entschädigung der NS-Opfer stark machte.


Ein Projekt der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Kooperation mit der AG Orte der Demokratiegeschichte

Dieses Porträt ist Teil des Projektes „100 Köpfe der Demokratie“, das seit März 2020 von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte“ gestaltet wird. Wir möchten eine Auswahl an historischen Persönlichkeiten der vergangenen beiden Jahrhunderte präsentieren, die die deutsche Demokratiegeschichte geprägt und gestaltet haben.

An wen denken Sie, wenn es um das Thema Demokratie geht? Wo sehen Sie demokratisches Wirken: in der Politik, im sozialen Engagement, im alltäglichen Zusammenleben? Diese und weitere Biographien sollen einen ersten Eindruck vermitteln von dem geplanten Panorama an 100 Köpfen, von der Vielfalt demokratischen Handelns und Wirkens in unserer Geschichte.

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