Liberaler Publizist im Visier der Behörden

Friedrich Ludwig Weidig

15.2.1791 - 23.2.1837

Friedrich Ludwig Weidig beteiligte sich maßgeblich an der Vormärzbewegung, durch Kontakte in die Turnerbewegung und zu Liberalen, aber besonders durch seine politische Publizistik und Herausgeberschaft von kritischen Schriftstellern wie etwa Georg Büchner. Sein tragischer Tod in Festungshaft politisierte und mobilisierte über die Grenzen Hessens hinaus.


Friedrich Ludwig Weidig wurde in ländliche, kleinbürgerliche Verhältnisse hineingeboren. Nach einem Studium der Theologie arbeitete er als Lehrer und Rektor im hessischen Butzbach. Hier zeigten sich erste politische Aktivitäten Weidigs: Mit seinen Schülern griff er die Ideen des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn auf, trieb Übungen mit ihnen und gründete 1814 einen Turnplatz. Daneben wurde er Mitglied eines kritischen Lese- und Debattierkreises. Darüber geriet er 1818 in den Fokus örtlicher Behörden, die seinen Schulunterricht nach Anzeichen aufrührerischer Didaktik und "demagogischer Umtriebe" überwachten. Als Vertreter des Liberalismus hoffte Weidig neben einem geeinten Deutschland auf die Erfüllung von konstitutionellen Grundrechten. Dazu unterstützte er 1820 Bestrebungen für eine hessische Verfassung und bestärkte Mitstreiter, etwa die Organisatoren des Hambacher Festes 1832, in ihren demokratischen Forderungen. Daneben solidarisierte er sich gemeinsam mit seiner Frau Amalie mit polnischen Freiheitskämpfern. Amalie Weidig spielte auch später, während seiner Inhaftierungen, durch Bittschreiben und die Koordinierung juristischer Hilfe eine wichtige Rolle.

1833 traf Weidig den Schriftsteller Georg Büchner, eine Art Schicksalsbegegnung, wie sich in der weiteren Zusammenarbeit herausstellen sollte. Weidig gab ein Jahr später Büchners kritische Schrift Der hessische Landbote heraus, daneben entstanden auch weitere illegale Flugschriften unter seiner Herausgeberschaft. Daraufhin wurde er vom Schuldienst suspendiert und als Pfarrer in das Dorf Ober-Gleen strafversetzt. Im September 1834 erregte er bereits Aufsehen, als er in einer Predigt zu Jesus diesen als Bekämpfer der Mächtigen bezeichnete. Ein halbes Jahr später verhaftete man ihn unter dem Vorwurf der Verschwörung gegen die Obrigkeit und inhaftierte ihn in der Klosterkaserne in Friedberg. Über zwei Jahre blieb Weidig in Gefangenschaft und wurde immer wieder verhört und gequält, trotz des bereits damals in Hessen-Darmstadt geltenden Folterverbots. Schon 1835 setzten sich Bürgerinnen und Bürger Ober-Gleens in einer Unterschriftenpetition für ihn ein, ein für damalige Verhältnisse unerhörter Vorgang. Diese und andere Eingaben blieben erfolglos, und auch die fehlende Aussicht auf einen Prozess sowie die andauernde psychische und körperliche Misshandlung setzten Weidig so sehr zu, dass er sich in Gefangenschaft am 23. Februar 1837 das Leben nahm. Die Umstände seines Todes führten zu einer jahrzehntelangen juristischen Auseinandersetzung sowie zu einer öffentlichen Debatte über die Geheimjustiz.