KAS / Peter Bouserath

Bayerischer Polarisierer

Franz Josef Strauß

6.9.1915 - 3.10.1988

Strauß gehörte zu den umstrittensten Spitzenpolitikern der alten Bundesrepublik, als leidenschaftlicher Parlamentarier, Bundesminister und Ministerpräsident in Bayern polarisierte und politisierte er Anhänger wie Gegner. Seine Leistung für die Demokratie bestand unter anderem darin, dass er den deutschen Konservatismus modernisierte und rechtskonservative Kreise für die liberale Demokratie gewann.


Franz Josef Strauß wurde 1915 als Metzgerssohn in München geboren. Mit dem landesweit besten Abitur seines Jahrgangs studierte er unter anderem Geschichte, Staatswissenschaften und Nationalökonomie. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er als Soldat und als Ausbildungsoffizier mit Einsätzen an der Ostfront verbrachte, wurde Strauß von den Amerikanern zum stellvertretenden Landrat in Schongau ernannt. Während er vor Ort den Aufbau der Christlich-Sozialen Union (CSU) mit begleitete, führte seine überregionale politische Arbeit ihn zunächst 1948 zur Teilnahme am Wirtschaftsrat der Bizone nach Frankfurt. In der CSU gehörte Strauß dem konservativ-liberalen Flügel an, erkannte jedoch bald die Notwendigkeit, die Partei auf eine gemeinsame bayerische wie bundesweite Linie einzustimmen, auch um gegen die ebenfalls 1946 gegründete Bayernpartei anzutreten. Der Spagat zwischen beiden Politikfeldern würde seine politische Karriere dauerhaft beherrschen, gleichzeitig zeigte sich bald sein Geschick, beide Räume miteinander zu verknüpfen.

Ab 1949 saß Franz Josef Strauß für 30 Jahre im Bundestag und prägte hier die Richtung seiner Fraktion ebenso wie die bundesdeutsche politische Kultur. Gleichzeitig bekleidete er unter Konrad Adenauer und Kurt Georg Kiesinger verschiedene Ministerämter, von denen seine Zeit als Verteidigungsminister durch die Spiegel-Affäre 1962 ein umstrittenes Ende nahm. Neben seiner bundespolitischen Tätigkeit blieb Strauß aber auch eng mit seinem Heimatland Bayern verbunden, das er von 1978 bis 1988 als Ministerpräsident anführte. Bis heute bleibt sein Einfluss auf die deutsche Bundespolitik der 1960er bis 1980er Jahre unbestritten, freilich nicht frei von Widersprüchen. So polarisierte er politische Gegner wie Parteigänger immer wieder mit Polemiken, Populismus und eigenwilligen Programmen. Während er den Grundlagenvertrag mit der DDR 1972 blockierte, verabschiedete er gut zehn Jahre später praktisch im Alleingang Milliardenkredite an die DDR, die seinem Image vom Kalten Krieger nun das Bild eines Entspannungspolitikers entgegensetzen sollten. Strauß entzog sich durchaus bewusst klaren politischen Zuordnungen, hatte jedoch gerade in der Anfangsphase der Bundesrepublik gewichtigen Anteil daran, das konservativ-liberale Milieu über Bayern hinaus zu stärken und zu modernisieren.

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