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Kritischer Mahner für gesellschaftliche Aufarbeitung & Erneuerung

Theodor W. Adorno

11.9.1903 - 6.8.1969

Theodor W. Adornos Schaffen als einer der wichtigsten Intellektuellen der alten Bundesrepublik war maßgeblich geprägt durch die Erfahrung des Nationalsozialismus, des amerikanischen Exils und durch den gesellschaftlichen Neubeginn nach 1945. Als Mitbegründer der Frankfurter Schule meldete er sich immer wieder kritisch zu Fragen gesellschaftlicher Partizipation und demokratischer Kultur zu Wort.


In einem liberal-bürgerlichen Umfeld Frankfurts aufgewachsen, war Theodor Wiesengrund Adorno schon früh an Musikwissenschaften, Philosophie und Soziologie interessiert. Er unterhielt enge Kontakte zum 1923 gegründeten Institut für Sozialforschung, das mit der sogenannten "kritischen Theorie" erste sozialempirische Studien über den aufkommenden Zerfall der bürgerlichen Mitte Weimars auf den Weg brachte. Wichtige Weggefährten Adornos dieser Zeit waren neben dem Institutsleiter Max Horkheimer auch Herbert Marcuse, Ernst Bloch und Walter Benjamin.

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner totalitarismuskritischen Schriften überlegte Adorno bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, Deutschland zu verlassen. Er emigrierte 1938 nach New York, wo sich das Institut für Sozialforschung mittlerweile angesiedelt hatte. Als eine seiner wichtigen Schriften entstand in den USA 1944 gemeinsam mit Horkheimer die Dialektik der Aufklärung. Das Werk, das dem Aufstieg und Niedergang der Aufklärung als Rationalisierungs- und Herrschaftspraxis nachforschte, wurde erst zwanzig Jahre später im Zuge der gesellschaftskritischen Debatten der Studentenbewegung breit rezipiert. 1949 kehrte Adorno mit Horkheimer nach Frankfurt zurück und eröffnete dort das mit zurückgekehrte Institut für Sozialforschung im November 1951.

Als Theoretiker und Intellektueller griff Adorno in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Felder der politischen Kultur auf. Dabei folgte er der Linie der amerikanischen Reeducation, indem er sich öffentlich zu den unterschiedlichsten Themen positionierte und so die Rolle eines "Volkspädagogen" (Jürgen Habermas) einnahm. Seine kulturkritischen Schriften machten ihn und die "Frankfurter Schule" zu wichtigen Impulsgebern der zweiten Demokratisierung der Bundesrepublik. Angefangen bei der verpassten Aufarbeitung von NS-Verbrechen über die Notstandsgesetzgebungen, studentische Proteste und die Außerparlamentarische Opposition – Adorno unterstützte die Forderungen nach einer demokratischen Erweiterung um neue Anliegen und Praktiken, ohne sich jedoch politisch vereinnahmen zu lassen. Er mahnte immer wieder, die Nachkriegs-Demokratie nicht als gegeben hinzunehmen, sondern sich mit ihren Defiziten weiterhin kritisch auseinanderzusetzen.