Bundearchiv, Bild 183-R01630

Verfassungsvater und Verfechter des demokratischen „Volksstaats"

Hugo Preuß

28.10.1860 - 9.10.1925

Der Staatsrechtler Hugo Preuß gilt bis heute als Vater der Weimarer Verfassung. Sein vielfältiges Engagement für eine neue demokratische Ordnung setzte dabei auf Konsensfindung, Kompromisslösungen zwischen liberalen und sozialdemokratischen Elementen und den Abbau von Privilegierungen und Klassengrenzen innerhalb der Weimarer Gesellschaft.


Hugo Preuß wuchs in vermögenden Verhältnissen auf und genoss so eine umfassende Bildung. Gleichzeitig führte seine jüdische Herkunft Zeit seines Lebens auch immer wieder zu beruflichen Rückschlägen oder Anfeindungen, etwa wenn er relativ spät, trotz einer Habilitation mit 28 Jahren, erst 1906 auf eine Professur an der privaten Berliner Handelsschule berufen wurde. Dabei war Preuß früh politisch aktiv, nicht nur durch zahlreiche Schriften und Aufsätzen, in denen er auf eine Reformierung, mehr Volksbeteiligung und kommunale Autonomie drängte. Seit 1895 saß er in der Berliner Stadtverordnetenversammlung, ab 1910 im Berliner Stadtrat und setzte dort erfolgreich Verwaltungsreformen durch.

Eine konkrete politische Heimat fand Preuß in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die er während der Novemberrevolution 1918 mit anderen gründete. In diese Partei floss seine Überzeugung ein, einen Mittelweg zwischen liberal-bürgerlichen Parteien und der sozialdemokratischen Bewegung zu begründen. Als bekannter Staatsrechtler und überzeugter Demokrat über Parteigrenzen hinweg wurde Preuß im Anschluss für die Erarbeitung der Verfassung ins Reichsinnenministerium gerufen. Der von ihm ausgearbeitete Entwurf wurde in zentralen Punkten, etwa in der weitreichenden Festlegung von Grundrechten, von der Verfassungskommission angenommen. Mit anderen Vorschlägen wie der territorialen Neuordnung des Reiches, die auch das Ende des politischen Übergewichts Preußens bedeutet hätte, konnte sich Preuß indes nicht durchsetzen. Auch innerhalb seiner eigenen Partei wurde er zunehmend blockiert und erreichte so nur ein Mandat im preußischen Landtag, nicht jedoch wie erhofft einen Platz im Reichstag.

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