Gemeinfrei / bereitgestellt durch die Universitätsbibliothek Mainz

Tragischer Held der ersten demokratischen Republik

Georg Forster

27.11.1754 - 10.1.1794

Mit seinem Enthusiasmus für eine freiheitliche Ordnung in der Mainzer Republik 1792/93, aber auch seinem Eingeständnis für das Scheitern dieser Republik steht Georg Forster bereits paradigmatisch für die weitere ambivalente Beurteilung des ersten Demokratie-Experiments in Deutschland. Gleichzeitig ist seine Biographie eines weltbewanderten, aufgeklärten Intellektuellen eine prototypische wie ungewöhnliche Erzählung der Anfänge demokratischen Engagements.


Im preußischen Nassenhuben (im heutigen Polen) wurde 1754 Georg Forster in eine schottische Emigrantenfamilie geboren. Sein Vater unternahm verschiedene Expeditions- und Forschungsreisen, zu denen er Forster bereits als Kind mitnahm. 1772 gingen beide auf eine dreijährige Weltumsegelung mit James Cook. Im Anschluss veröffentlichte Forster seine Eindrücke mit dem Werk Reise um die Welt, das ihn auf einen Schlag berühmt machte und ihm eine akademische Karriere ermöglichte. Durch seine Tätigkeit an verschiedenen Universitäten kam er anschließend immer mehr in Berührung mit den Ideen der Aufklärung, die er über die auf Reisen gesammelten Einblicke in unterschiedliche Kulturen zu Konzepten  universeller menschlicher Vernunft und Fortschritts weiterentwickelte. Als er 1790 die revolutionären Entwicklungen in Belgien und Flandern erlebte, verteidigte er die gewalttätigen Umwälzungen, indem er das alleinige Gewaltrecht von Herrschern infrage stellte. Die Französische Revolution in Frankreich befürwortete Forster ebenso, allerdings sah er ähnliche Entwicklungen in Deutschland als verfrüht an.

Seine Einstellung änderte sich, als im Oktober 1792 französische Truppen die Stadt Mainz eroberten, in der Forster seit 1788 als Universitätsbibliothekar arbeitete. Zu Beginn der Eroberung skeptisch, schloss er sich bald dem Mainzer Jakobinerclub an und setzte damit über die Grenzen der Stadt hinaus ein Signal für die jakobinische Bewegung. Im Club forderte er eine republikanische Verfassung und arbeitete einen entsprechenden Entwurf aus. In seinen Reden klangen dabei erste Ideen einer Volkssouveränität an, gleichzeitig lehnte es Forster nicht ab, dass die französischen Besatzer auch mit Zwang Wahlen durchzusetzen versuchten. Als Vizepräsident des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents reiste er schließlich im März 1793 nach Paris, um den Anschluss der linksrheinischen Gebiete an Frankreich zu erbeten. Zurückkehren konnte er nach Mainz jedoch nicht: In Paris erlebte er die Rückeroberung der Stadt durch preußische Truppen kurz nach seiner Abreise. Dazu kamen die Erlebnisse der Terrorherrschaft in Frankreich, die Georg Forster erschütterten und sein revolutionäres Grundverständnis herausforderten. Kurz darauf starb er als vereinsamter Exilant wider Willen in Paris.