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Streiterinnen für Frauen & Frieden

Anita Augspurg und Lida G. Heymann

22.9.1857-20.12.1943 und 15.3.1868-31.7.1943

Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zählen bis heute zu den bedeutendsten Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung. Dabei umfasste ihr Engagement verschiedene Wirkungs- und Lebensräume und stellte damit die Frage nach weiblicher Gleichstellung auch in anderen Zusammenhängen. Während sich aus den Überlieferungen kein eindeutiger Beleg einer Liebesbeziehung zwischen beiden ableiten lässt, so war doch ihre Partnerschaft eine wegweisende Alternative zu den zeitgenössischen familiären Rollenbildern.


Augspurg und Heymann, die beide aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammten, konzentrierten sich zunächst unabhängig voneinander auf Themen wie Frauenbildung oder rechtliche Reformen. Vor allem Anita Augspurg, die in der Schweiz ein juristisches Studium abgeschlossen hatte, engagierte sich intensiv im Kampf um die ehefrauenfeindlichen Passagen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches, welches 1900 in Kraft treten sollte. Trotz einer reichsweiten Kampagne der bürgerlichen Frauenbewegung trat das Gesetz ohne Änderungen in Kraft. 1896 lernten sich beide in Berlin auf einem internationalen Frauenkongress kennen und lebten ab diesem Zeitpunkt zusammen. 1902 gründeten sie in Hamburg den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“ und gaben damit der Frauenwahlrechtskampagne einen kräftigen Schub.

Augspurg und Heymann bestimmten maßgeblich den radikalen Flügel der Frauenbewegung, der sich ab 1899 im Verband Fortschrittlicher Frauenvereine organisierte. Der Verband setzte sich für die volle Gleichberechtigung der Frau ein und unterstützte den Abolitionismus. Die abolitionistische Bewegung forderte eine Abschaffung der staatlichen Reglementierung der Prostitution, da diese nur die Prostituierten traf und sich so nicht nur in einer ungerechten Strafpraxis, sondern auch in einer einseitigen moralischen Verurteilung niederschlug. Zudem grenzte sich der Verband Fortschrittlicher Frauenvereine nicht komplett von der Arbeiterinnenbewegung ab.

Bei Kriegsausbruch gehörten Augspurg und Heymann zu den wenigen Pazifistinnen, die sich weigerten, den Krieg – auch durch Sozialarbeit – zu unterstützen. Stattdessen nahmen sie 1915 in Den Haag am Internationalen Friedenskongress teil. Nach dem Krieg hofften beide auf eine Erneuerung, etwa durch das Wirken des Sozialisten Kurt Eisners in München. Das blutige Ende des bayerischen Experiments bedauerten beide sehr und engagierten sich in der Weimarer Republik vor allem für den Pazifismus. Früh wiesen sie auf die Gefährlichkeit des Nationalsozialismus hin; als entschiedene Gegnerinnen Hitlers kehrten sie 1933 von einer Auslandsreise nicht nach Deutschland zurück und gingen ins Schweizer Exil. Dort starben sie beide 1943.