Gemeinfrei / bereitgestellt durch die Universitätsbibliothek Würzburg

Verfechter religiöser Freiheit und Gleichstellung

Ludwig Windthorst

17.1.1812 - 14.3.1891

Ludwig Windthorst gilt heute als die wichtigste Integrationsfigur des politischen Katholizismus des Deutschen Kaiserreiches. Als Gegenspieler Otto von Bismarcks führte er das Zentrum durch die Zeit des Kulturkampfes und trat in diesem Zusammenhang auch immer wieder für Freiheits- und Gleichstellungsrechte anderer Gruppen ein.


Dass er einmal zu den herausragendsten Politikern seiner Zeit werden würde, hätten die Wenigsten vermutet. Windthorst kam 1812 kleinwüchsig und mit schlechtem Gehör und Sehvermögen zur Welt; dazu kam die Verarmung seiner Familie und seine katholische Konfession, die als Minderheit in seinem Heimatland Hannover mit verhaltener Ablehnung geduldet wurde.

Windthorst trotzte diesen Widerständen. Als Jurist und Parlamentarier kam er zu einigem Einfluss und erreichte als erster katholischer Justizminister im Königreich Hannover seinen politischen Durchbruch. Nachdem Hannover 1866 von Preußen annektiert wurde, fand sich Windthorst auf der Bühne des preußischen Parlaments als Gegenspieler Otto von Bismarcks wieder. Die Stellung der Katholiken innerhalb des Deutschen Reiches hatte sich durch außen- und innenpolitische Konflikte wesentlich verschlechtert, da sie von den protestantischen Eliten als national unzuverlässig und kulturell rückständig gesehen wurden. Als Führer der katholischen Abgeordneten ging Windthorst jedoch nicht in die Defensive, im Gegenteil: Durch gewandte Redebeiträge trat er bestimmt der antikatholischen Kulturkampf-Politik von Bismarck entgegen und reizte den Ministerpräsidenten so bis aufs Blut.

Gleichzeitig mobilisierte und organisierte Windthorst 1870 das katholische Milieu durch die Gründung der Zentrums-Partei, die mit dem Zusatz „Verfassungspartei“ gegen Bismarck immer wieder die Rechte der katholischen Bevölkerung erstritt. Dabei kritisierte Windthorst auch den aufkommenden Antisemitismus und forderte die gleichen Rechte für die jüdische Bevölkerung. Er bemühte sich (allerdings erfolglos), dem Zentrum ein überkonfessionelles Profil zu geben, das so erst nach 1945 mit Gründung der CDU/CSU zur Geltung kam.