Bundesarchiv; Bärbel Bohley mit Rolf Henrich, Leipzig 1990

Unangepasste Streiterin für Pluralismus

Bärbel Bohley

24.5.1945 - 11.9.2010

Als die Friedliche Revolution 1989 das Ende der DDR einläutete, wurde sie als ‚Mutter‘ dieser Revolution gefeiert: Bärbel Bohley. Die Künstlerin verkörperte für viele den Aufbruch und die Hoffnung auf politische Veränderung in der DDR. Gleichzeitig verdeutlicht ihr konstantes Eintreten für eine demokratische Gesellschaft den langen Vorlauf der Wiedervereinigung, sodass der revolutionäre Mauerfall 1989 eigentlich der symbolische Höhepunkt einer jahrzehntelangen Oppositionsbewegung war.


Erstmals trat Bärbel Bohley, die in Berliner Arbeiterverhältnissen groß geworden und durch ihr Kunststudium mit oppositionellen Kreisen in Kontakt gekommen war, durch ihren Appell „Anstiftung für den Frieden“ Anfang 1980 als Aktivistin in Erscheinung. Mit ihrem Engagement in der Frauen- und Friedensbewegung stand sie in engem Kontakt zu anderen Oppositionellen wie Katja Havemann und Ulrike Poppe, aber auch zu westdeutschen Bürgerrechtlern wie Petra Kelly. Obwohl Bohley sich damit immer stärker der Beobachtung und Repression des Staates aussetzte, wollte sie doch innerhalb der Strukturen der DDR für Veränderungen eintreten. Als sie Anfang 1988 nach Westdeutschland ausgewiesen wurde, kehrte sie ein halbes Jahr später in die DDR zurück. Durch ihre vielfältigen Kontakte zu unterschiedlichen Oppositionskreisen gehörte Bohley im Frühjahr 1989 zu den Gründern des „Neuen Forums“, welches für einen demokratischen Dialog und politische Partizipation eintrat. Ganz bewusst wollte sie damit eine Bewegung ‚von unten‘ anstoßen, die ihre Opposition zum DDR-Regime schließlich in Massenprotesten Ende 1989 deutlich machte.

Anders als viele ihrer Mitstreiter lehnte Bohley ein Aufgehen der Oppositionsbewegung in der etablierten Parteienlandschaft nach der Wiedervereinigung ab. Zudem hoffte sie, zwischen DDR und Bundesrepublik auf einer Art Dritten Weg durch Reformen eine gerechtere, solidarischere Gesellschaft zu schaffen. Die Zusammenführung der beiden deutschen Länder bilanzierte sie im Anschluss mit Skepsis: „Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.“ Ab Mitte der 1990er Jahre engagierte sich Bohley schließlich humanitär in Bosnien und Kroatien.

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