Friedrich-Stoltze-Brunnen

Frankfurt am Main

Kaum ein Demokrat in Frankfurt und Hessen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert hat so gekonnt, provokativ, humorvoll und zugleich beharrlich mit dem Obrigkeitsstaat jener Jahre Katz und Maus gespielt wie Friedrich Stoltze (1816-1891). An sein Werk erinnert der Brunnen am Hühnermarkt.


Der Ur-Frankfurter hatte schon als Jugendlicher an der Seite des Vaters am Hambacher Fest von 1832 teilgenommen und die Revolution von 1848 in Frankfurt publizistisch begleitet. Doch seine große Zeit schlug eigentlich später, nach dem Scheitern der Revolution und der Wiederkehr des monarchischen Obrigkeitsstaates. Als dann Frankfurt nach dem Krieg von 1866 noch preußisch wurde, galt Preußen Stoltze mehr denn je als der Inbegriff der Unfreiheit. Neben seinem Œuvre als Schriftsteller und Mundartdicher legte Stoltze als Demokrat vor allem Spuren in den von ihm herausgegeben satirischen Zeitschriften. Demokratisch getränkte Satire mit Tiefgang, manchmal beißend in der Kritik. Sein Hauptwerk war die "Frankfurter Latern". Sie hielt sich trotz Zensur, Verboten, notgedrungenem Ausweichen ins deutsche "Ausland" und anderen Finten von 1860 bis 1893. Das lange Einsitzen im Zuchthaus blieb Stoltze zwar erspart, doch bei den Frankfurter Gerichtshöfen hatte er anlässlich unzähliger Prozesse wegen "Pressevergehen" einen Nebenwohnsitz. Beugen ließ er sich nie. Womöglich sickerte auch seine demokratische Gesinnung Stück für Stück in das Bewusstsein der Menschen, die ihn für seine Schriften liebten.

Stoltze war weder Parlamentarier noch staatsphilosophischer Vordenker. Sein Wirken in Frankfurt und Hessen war die breitenwirksame Demokratiewerbung mit Witz, beißender Kritik und wider den Ernst einer Zeit, in der es für Freiheit und Demokratie recht wenig zu lachen gab. Der Brunnen stellt Stoltzes Büste in den Mittelpunkt, umgeben von plastischen Kostproben des Stoltze-Humors. Er wurde unmittelbar nach Stoltzes Tod 1891 von Frankfurter Honoratioren geplant und 1895 eingeweiht. Anfang der 1950er Jahre wurde er zum Schutz vor Metalldieben abgebaut. Von 1981 bis 2016 stand er auf dem Friedrich-Stoltze-Platz, im September 2017 kehrte er an den ursprünglichen Standort zurück, unweit des 1904 abgerissenen Geburtshauses. Gleich nebenan informiert das Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse seit 2018 über Leben und Werk des Dichters. Der Eintritt ist frei.

In Zusammenarbeit mit: Hessische Landeszentrale für Politische Bildung

 

Bilder