© DAI Heidelberg, Foto: Paul Goldschmitt

Deutsch-Amerikanisches Institut (DAI) Heidelberg

Gegründet im Jahr 1946 als „Amerika Haus“, entstand das DAI Heidelberg im Geiste der Demokratisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Was als reine Informationsbibliothek der US-Amerikaner begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einem der lebendigsten, überparteilichen Kulturhäuser der Region entwickelt, das den transatlantischen Dialog und die gesellschaftliche Debatte fördert.


In der unmittelbaren Nachkriegszeit richtete die US-Militärregierung in der amerikanischen Besatzungszone sogenannte „Amerika Häuser“ ein. Ziel war es, der deutschen Bevölkerung nach Jahren der NS-Diktatur freien Zugang zu freier Information, westlicher Literatur und demokratischen Werten zu ermöglichen. In Heidelberg nahm das Institut am 15. Februar 1946 in der Hauptstraße 246 unter der Leitung von Ralph Lewis den Betrieb auf, bevor es am 27. Juni 1946 mit 1.500 Büchern offiziell eröffnet wurde. Flankiert von geschichtsträchtigen Ereignissen wie der Stuttgarter „Rede der Hoffnung“ von US-Außenminister James F. Byrnes im September 1946 wuchs die Einrichtung schnell: Ab 1948 versorgten Bücherbusse die Region, 1949 sprach Nobelpreisträger T. S. Eliot in Heidelberg und am 3. November 1950 zog das Haus in die Villa in der Sofienstraße 12 um.


Mit dem Wandel der internationale und innenpolitische Rahmenbedingungen und der zunehmenden Souveränität der Bundesrepublik wurden viele dieser Häuser in den 1950er- und 1960er-Jahren in binationale Institute überführt. So auch das Haus in Heidelberg, das am 26. März 1962 durch die Gründung der Schurman-Gesellschaft e. V. zu einer binationalen Institution wurde. So entstand das Deutsch-Amerikanische Institut Heidelberg als Kern einer Brücke zwischen den Kulturen. Es wurde zu einem Ort, der auch heftige Spannungen aushielt – ob im Zuge der Studentenproteste von 1968, im Mai 1969, als der Künstler Christo das Gebäude verpackte, oder in den 1970er-Jahren bei den Protesten gegen den Vietnamkrieg. Auch während der Pershing-II-Krise 1983 und während des Irakkriegs in den frühen 2000er-Jahren wurde das DAI immer wieder zum Schauplatz kritischer und hitziger Debatten über die amerikanische Außenpolitik, behielt dabei aber stets seine Rolle als neutraler Ort des freien Wortes und des intellektuellen Austauschs. Die vollständige institutionelle Autonomie folgte im Jahr 1986 unter der neuen, jahrzehntelangen Leitung von Jakob Köllhofer. Nach dieser langen Ära schlägt das Institut nun ein neues Kapitel auf. Seit 2025 liegt die Führung des DAI Heidelberg in den Händen von Lena Jöhnk, der ersten weiblichen Leiterin in der Geschichte des Hauses.


Heute ist das DAI ein weit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Kulturhaus. Neben klassischen Sprachkursen und einer englischsprachigen Bibliothek bietet es ein umfangreiches Programm aus hochkarätigen Vorträgen, dem "Internationalen Science Festival" (Geist Heidelberg), Konzerten und Ausstellungen. Es versteht sich heute als „Ort der freien Geister“, an dem globale Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Demokratie und Wissenschaft öffentlich diskutiert werden.


zum Ort: Schurman-Gesellschaft e. V

Adresse

Sofienstraße 12
69115 Heidelberg