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Bredstedter Marktplatz

Am 23. Juli 1848 betritt der nordfriesische Schriftsteller und Berufsrevolutionär Harro Harring auf dem Bredstedter Marktplatz vor ein großes Publikum. In seiner „Rede an die Nordfriesen“  ruft er dazu auf, eine unabhängige nordfriesische Republik zu gründen. Doch sein Aufruf bleibt letztlich ohne nachhaltige Wirkung.


Harro Harring (geb. 1798 bei Wobbenbüll in Nordfriesland, gest. 1870 auf Jersey) kann mit Fug und Recht als Berufsrevolutionär angesehen werden. Der Historiker Walter Grab, Gründer des Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv, bezeichnete ihn als „Odysseus der Freiheit“. Harrings Leben war geprägt von revolutionärem Engagement in Europa und darüber hinaus:  Bereits mit 24 Jahren reist er 1822 nach Griechenland, um sich am griechischen Freiheitskampf zu beteiligen. 1827 wird er von Metternich als Demagoge aus Wien ausgewiesen. 1828 beteiligt er sich am polnischen Freiheitskampf gegen Russland. Im Mai 1832 nimmt er am Hambacher Fest teil. 1840 reist er nach Rio de Janeiro um sich für die Befreiung der Sklaven einzusetzen. Danach lässt er sich als Schriftsteller in New York nieder. Mit Zeitungsbeiträgen, Pamphleten, Gedichten und Romanen, die zum Teil verboten wurden, setzt er sich für unterdrückte Völker ein.

Der Ausbruch der Märzrevolutionen im Jahr 1848 weckt in ihm die Hoffnung, nun endlich auch seiner eigenen Heimat, Friesland, im Freiheitskampf beistehen zu können. Umgehend reist er nach Europa und plant, mit einer "Rede an die Nordfriesen" auf dem Bredstedter Marktplatz die Revolution zu entzünden. In der alten Heimat Friesland ist er wegen seines Aktivismus und seiner Schriften bekannt. Sein Auftritt am 23. Juli 1848 wird groß angekündigt, der berühmte Landsmann lockt viele Zuhörerinnen und Zuhörer an. In seiner Rede hält er ein flammendes Plädoyer für einen nordfriesischen Freistaat. Am Ende zieht er demonstrativ einen Degen und ruft: "Wir wollen frei sein, wie's die Väter waren: Und lieber todt sein, denn als Sklave leben."

Trotz der Aufmerksamkeit bleibt die Resonanz begrenzt. Viele Zuhörende können ihn schon akustisch kaum verstehen; andere stehen seinen politischen Vorstellungen skeptisch gegenüber. Vor allem sein Vorschlag, die Friesen sollen sich als Republik unter den Schutz Dänemarks stellen, erscheint angesichts der überall vorgetragenen Forderungen nach einem geeinten deutschen Nationalstaat und vor dem Hintergrund des deutsch-dänischen Bürgerkriegs taub für die Belange der Zeit. Desillusioniert und erfolglos reist er ab. Im April 1849 übernimmt er in Rendsburg noch die Redaktion der demokratisch-republikanischen Zeitung „Das Volk“, verlässt jedoch kurz darauf enttäuscht seine Heimat. Er leidet an Verfolgungswahn und nimmt sich 1870 auf der Insel Jersey, im heutigen England, das Leben.

Die "Rede an die Nordfriesen" zeigt die Grenzen der Wirkung einzelner Persönlichkeiten schon zu Beginn der aufkommenden demokratischen Massengesellschaft. So bekannt Harring in seiner Heimat war, durch die lange Abwesenheit hatte er den Kontakt mit den realen politischen und sozialen Verhältnissen in Schleswig und Holstein verloren. Seine Anliegen fanden keine Resonanz in der Bevölkerung, daher auch keine Unterstützung größerer Massen.

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25821 Bredstedt

Mehr zum Thema

Walter Grab: Odysseus der Freiheit. Harro Harring – ein nordfriesischer Revolutionsdichter. In: Nordfriesland Nr. 58–60 (Dezember 1981), S. 60–75.

Johannes Jensen: Harro Harring und Nordfriesland. Zum 150. Jahrestag seiner „ersten Rede an die Nordfriesen“ in Bredstedt am 23. Juli 1848. In: Nordfriesland Nr. 123 (September 1998), S. 17–27.