Anita Augspurg & Lida Gustava Heymann

Anita_Augspurg: Porträt Augspurgs von Sophie Goudstikker, Atelier Elvira 1902 Lida Gustava Heymann: Porträt Lida Gustava Heymann (1868-1943), Journalistin, Frauenrechtlerin

Augspurg geb. 22.9.1857, Verden; gest. 20.12.1943, Zürich,
Heymann geb. 15.3.1868, Hamburg; gest. 31.7.1943, Zürich

Radikale Streiterinnen für Frauen & Frieden

Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zählen bis heute zu den bedeutendsten Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung. Dabei umfasste ihr Engagement verschiedene Wirkungs- und Lebensräume und stellte damit die Frage nach weiblicher Gleichstellung auch in anderen Zusammenhängen. Während sich aus den Überlieferungen kein eindeutiger Beleg einer Liebesbeziehung zwischen beiden ableiten lässt, so war doch ihre Partnerschaft eine wegweisende Alternative zu den zeitgenössischen familiären Rollenbildern.

Anita Augspurg

Augspurg und Heymann, die beide aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammten, konzentrierten sich zunächst unabhängig voneinander auf Themen wie Frauenbildung oder rechtliche Reformen. Nachdem sich beide 1896 in Berlin auf einem internationalen Frauenkongress kennen gelernt hatten, erreichte ihr gemeinsames Engagement 1902 erstmals reichsweite Aufmerksamkeit – durch einen politischen Trick: Obwohl es Frauen im Kaiserreich untersagt war, politische Vereinigungen zu gründen, war die Hamburger Verfassung liberal genug, dass dort beide den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“ gründen konnten. Unter diesem Dach machten sich anschließend Frauen aus dem ganzen Reich für das Frauenwahlrecht stark.

Lida Gustava Heyemann

Augspurg und Heymann bestimmten maßgeblich den radikalen Flügel der Frauenbewegung. Dieser trat nicht nur für das Frauenstimmrecht und die rechtliche Gleichstellung der Frau, sondern seit Beginn des Ersten Weltkriegs auch nachdrücklich für den Pazifismus ein. Nach dem Krieg hofften beide auf eine demokratische Erneuerung, etwa durch das Wirken des Sozialisten Kurt Eisners in München. Das blutige Ende des bayerischen Experiments bedeutete für beide ein Scheitern demokratischer Kräfte, und auch in der Weimarer Republik traten sie immer wieder als Mahnerinnen gegen Militarismus und Extremismus auf. Früh wiesen sie auf die Gefährlichkeit der Nationalsozialisten hin; als entschiedene Gegnerinnen Hitlers kehrten sie 1933 von einer Auslandsreise nicht nach Deutschland zurück und gingen ins Schweizer Exil.


Ein Projekt der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Kooperation mit der AG Orte der Demokratiegeschichte

Dieses Porträt ist Teil des Projektes „100 Köpfe der Demokratie“, das seit März 2020 von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte“ gestaltet wird. Wir möchten eine Auswahl an historischen Persönlichkeiten der vergangenen beiden Jahrhunderte präsentieren, die die deutsche Demokratiegeschichte geprägt und gestaltet haben.

An wen denken Sie, wenn es um das Thema Demokratie geht? Wo sehen Sie demokratisches Wirken: in der Politik, im sozialen Engagement, im alltäglichen Zusammenleben? Diese und weitere Biographien sollen einen ersten Eindruck vermitteln von dem geplanten Panorama an 100 Köpfen, von der Vielfalt demokratischen Handelns und Wirkens in unserer Geschichte.

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