© Stadtarchiv Frankenthal (Pfalz)

Freiheitsbaum Frankenthal/Pfalz

1798 stellten die Frankenthaler Bürger auf dem Marktplatz nicht wie in den umliegenden Gemeinden einen künstlichen Baum auf, sondern pflanzten einen echten Freiheitsbaum, der noch bis 1929 an die rege Beteiligung der Stadt in den Demokratiebewegungen zwischen 1789 und 1849 erinnerte.


Um das Hambacher Fest von 1832 brodelte es dann erneut. Vorausgegangen waren Solidaritätsbekundungen der städtischen Bevölkerung mit dem Freiheitskampf der Griechen gegen die Türkische Fremdherrschaft 1826 und dann – ermuntert durch die Junirevolution in Frankreich im Jahre 1830 - mit dem polnischen  Novemberaufstand 1830 gegen die zaristische Fremdherrschaft in Warschau. Im „Frankenthaler Wochenblatt“ wird ausführlich von der polnischen und griechischen  Aufstandsbewegung sowie den Hilfsaktionen berichtet. Ein Polenverein zur Unterstützung der Aufständischen in Polen wurde ins Leben gerufen. Als die Freiheitskämpfer mit ihren Familien westwärts Richtung Paris flohen, bereitete die Stadt den Freiheitshelden einen großen Empfang. Aus dem Polenverein heraus entwickelte sich der örtliche Press- und Vaterlandsverein. Das Engagement für Freiheit und Mitbestimmung setzte sich in der Märzrevolution 1848 und der Pfälzer Revolution 1849 fort.

An den Freiheitsbaum am Marktplatz erinnert heute nichts mehr. Auf dem Marktbrunnen wird die Zeit unter Französischer Verwaltung (1798-1815) symbolisch mit französischen Soldaten dargestellt, im Hintergrund blicken Frankenthaler Bürger freundlich aus dem Fenster. Am Speyerer Tor steht eine Büste zur Erinnerung an Johann Philipp Becker, einen Anhänger Siebenpfeiffers und Mitglied im örtlichen Pressverein. Auf dem Hambacher Fest rief er zum bewaffneten Kampf auf, musste 1838 ins Schweizer Exil, von dort kehrte er zurück um Hecker und Struve 1848 bei den Aufständen in Baden zu unterstützen. 1869 nahm er am Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands in Eisenach teil.

In Zusammenarbeit mit: Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz und Thomas Handrich