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Stadtmuseum Zweibrücken

Petrihaus, Sitz des Stadtmuseums

Im Vorfeld des Hambacher Festes wurde die Stadt Zweibrücken zu einem publizistischen Zentrum der liberalen und demokratischen Bewegung auf deutschem Boden. Besonders zwei politische Festbankette, die sogenannten „Schülerfeste“, waren Wegbereiter für das Hambacher Fest.


Mit dem „Appellationsgerichtshof“ befand sich in der Stadt die höchste juristische Instanz der Pfalz. Das daran gebundene Personal, Richter wie Anwälte, machten keinen Hehl aus ihren Sympathien für die Ideen der Französischen Revolution. Dieses juristische Milieu verteidigte die moderne freiheitliche Gesetzgebung mit Vehemenz gegen alle Zugriffsversuche durch das „bayerische Mutterland“, in dem noch weitgehend die überkommenen feudalen Rechte Geltung hatten. Im sogenannten Münchner „Sturmlandtag“ wurden die Zweibrücker Advokaten Christian Culmann und Friedrich Schüler 1831 zu Wortführern der liberalen Opposition, die zum ersten Mal die Mehrheit hatte. Im Streit über eine „Zensurordonnanz“ erzwangen die Liberalen den Rücktritt des Innenministers und erreichten auch die Rücknahme der Presseverordnung. Publikationen von Siebenpfeiffer und Wirth zogen zahlreiche weitere namhafte Journalisten in die Region. Zu Jahresbeginn 1832 wurde auf einem Festbankett zu Ehren von Schüler der „Preßverein“ gegründet, der sich die Durchsetzung der Pressefreiheit zum Ziel gesetzt hatte. Dieses erste Journalisten-Netzwerk in Deutschland fand mit „Filialcomités“ auch in anderen europäischen Ländern (vor allem in Paris) große Verbreitung. Das „zweite Schülerfest“ im Mai war praktisch eine Generalprobe für das Hambacher Fest. Als infolge der Märzrevolution 1848 erstmals freie Wahlen für ein deutsches Parlament stattfanden, wurden gleich vier Persönlichkeiten aus Zweibrücken zu Abgeordneten gewählt – unter diesen auch Friedrich Schüler, der über 16 Jahre hinweg im französischen Exil gelebt hatte.

Im Stadtmuseum Zweibrücken werden Ereignisse und Bedeutung in der interaktiven Ausstellung „Schau!Platz Freiheit - Demokratische Tradition im Westrich“ gewürdigt. Träger sind die Stadt Zweibrücken und die Siebenpfeiffer-Stiftung. Zahlreiche Hinweistafeln laden zu einem demokratiegeschichtlichen Stadtspaziergang ein: In der Poststraße erinnert eine Tafel an das nicht mehr vorhandene alte Gefängnis, in dem sich sowohl 1832 als auch nach 1849 zahlreiche Liberale und Akteure der „Pfälzischen Revolution“ in Gefangenschaft befanden, u.a. auch Wirth und Siebenpfeiffer. Am ehemaligen Gasthaus Ladenberger in Bubenhausen erinnert eine Gedenktafel an die Gründung des „Preßvereins“ am 29. Januar 1832. Im Residenzschloss, saß ab 1837 der „Appellationsgerichtshof der Pfalz“. Im Foyer befinden sich ein Bildnis des Publizisten und ersten Gerichtspräsidenten Georg Friedrich Rebmann (1768-1824) sowie der Grabstein des zweiten Präsidenten Johann Baptist Birnbaum (1763-1832), beide ehemalige Jakobiner und mutige Verteidiger der „Rheinischen Institutionen“. Unmittelbar vor dem Schloss steht seit 2008 die „Hambacher Vorbotin“, eine Bronzeplastik von Christiane Maether. Unter dem Motto "Vergiss nicht, dass Du Flügel hast ..." soll sie den unbezwingbaren Freiheitsdrang symbolisieren. Das "Denkmal der Veteranen der napoleonischen Kriege" von 1837 auf dem Hauptfriedhof zeigt die kultartige Verehrung, die Napoleon im Vormärz in den linksrheinischen Gebieten genoss. Eingraviert sind darauf die Namen von Soldaten aus Ortschaften in der Region, die von Napoleon rekrutiert worden waren.


zum Ort: Siebenpfeiffer-Stiftung