© Monika Nikolic

Ständehaus Kassel

Nach dem Wiener Kongress wurden die Landstände im Kurfürstentum Hessen seit 1816 nicht mehr einberufen. Erst 1830 erzwang der Kasseler Magistrat mit einer Massenpetition die erneute Einberufung der Landesstände, die im Januar 1831 eine liberale Verfassung mit starken parlamentarischen Kontrollrechten durchsetzen konnten.


Der Bau des Ständehauses spiegelt die neugewonnene Bedeutung der Versammlung wider. Trotz nachhaltigem Widerstand durch den Kurfürsten setzten die Abgeordneten den Bau durch und konnten das Gebäude 1836 einweihen. Nach der preußischen Annexion Kurhessens wurde das Kasseler Ständehaus 1867 Sitz des Bezirkskommunalverbandes Kassel – eines kommunalen Spitzenverbandes mit eigenem Parlament. Der Kommunallandtag des Bezirkskommunalverbandes nutzte das Ständehaus als Sitzungsort und erörterte hier neben Fragen der Wirtschaftsförderung, des Straßenbaus und der Kulturpflege auch Probleme der Armen- und Krankenfürsorge.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Ständehaus stark beschädigt. Alle Dächer waren zerstört und der Ständesaal bis auf die Umfassungsmauern völlig ausgebrannt. Ab 1946 erfolgte der Wiederaufbau. Unter der Leitung des documenta-Gründers Arnold Bode (1900-1977) sowie seines Bruders Paul Bode erhielt das Ständehaus im Inneren „eine dem modernen Empfinden entsprechende Festarchitektur” (Merian. Kassel 1952, S. 36), während das Äußere fast unverändert blieb.

1953 wurde das Ständehaus Hauptsitz des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen – eines kommunalen Spitzenverbandes, der im Auftrag der hessischen Landkreise und kreisfreien Städte überregionale soziale Aufgaben übernimmt. Er finanziert die Unterstützung behinderter Menschen und sichert deren Teilhabe im Alltag und Beruf. Er ist Träger von Förderschulen und Frühförderstellen sowie Alleingesellschafter der Vitos GmbH, die einen wesentlichen Teil der psychiatrischen Versorgung in Hessen sicherstellt. Das Ständehaus dient nach wie vor als Parlamentsgebäude: die Verbandsversammlung als oberstes Beschlussorgan des LWV tagt viermal jährlich im Ständesaal.