Erinnerungsstätte Ständehaus

Karlsruhe

Das Badische Ständehaus entstand 1822 als das erste für diesen Zweck neu errichtete Parlamentsgebäude in Deutschland. Hier tagte bis 1918 die Badische Ständeversammlung, danach bis 1933 der Badische Landtag. Die Erinnerungsstätte präsentiert die badische Parlaments- und Demokratiegeschichte.


Nach knapp zwei Jahren Bauzeit konnte im November 1822 die badische Ständeversammlung zum ersten Mal in dem prägnanten Gebäude tagen. 111 Jahre diente es als zentraler Arbeitsort unterschiedlicher badischer Parlamente, bis zur Zerstörung der Demokratie durch die Nationalsozialisten. Einen Meilenstein des deutschen Parlamentarismus erlebte das Gebäude am 15. Januar 1919, als Marianne Weber als erste weibliche Abgeordnete eine Rede in einem deutschen Parlament hielt. Nur 10 Tage vorher, am 5. Januar 1919, war sie auf einem sicheren Listenplatz als einzige weibliche DDP-Abgeordnete in den Badischen Landtag gewählt worden. Insgesamt schafften diesen Sprung auf einen der 107 Sitze nur neun Frauen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und 1961/62 abgerissen. Von 1991 bis 1993 entstand am historischen Ort und architektonisch dem Original nachempfunden das „Neue Ständehaus“.

Die Ausstellung im Neuen Ständehaus reicht von der Badischen Verfassung 1818 bis zur Zerstörung der Demokratie 1933. Ein Ausblick beschäftigt sich mit der Verfolgung und dem Widerstand badischer ParlamentarierInnen.


zum Ort: Stadt Karlsruhe; Stadtarchiv Karlsruhe

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Sybille Oßwald-Bargende: "Richtungsweisend. Die Frauenrechtlerin Marianne Weber als erste parlamentarische Rednerin", in: Sabine Holtz / Sylvia Schraut (Hg.), 100 Jahre Frauenwahlrecht im deutschen Südwesten. Eine Bilanz, Stuttgart 2020.