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Gerhart-Hauptmann-Haus

Die »Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum« (GHH) zeigt, wie Millionen Menschen nach 1945 Teil der deutschen Gesellschaft wurden. Sie steht für Bildung, Austausch und Verständigung und verdeutlicht, wie Integration die Demokratie stärken kann.


Die »Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum« ist eine öffentliche Kultur- und Bildungseinrichtung, die 1957 vom Land Nordrhein-Westfalen gegründet wurde (zunächst unter dem Namen »Stiftung Haus des Deutschen Ostens«). Die Gründung erfolgte mit Rücksicht darauf, dass in das junge Bundesland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs insgesamt rund 2,4 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene aus den früheren deutschen Ostgebieten gekommen waren. Die Stiftung hat als überparteiliche Einrichtung, in deren Gremien neben den Fraktionen des nordrhein-westfälischen Landtags auch vielfältige zivilgesellschaftliche Kräfte vertreten sind, einen bedeutenden Beitrag zur Integration dieser großen Zuwanderungsgruppe geleistet.

Das Gebäude an der Bismarckstraße 90 in Düsseldorf ist Sitz der Stiftung und zeichnet sich durch eine zweckorientierte Architektur mit horizontalen Fensterbändern und einer dunklen Basaltfassade ohne historisierende Anklänge aus. Bei der Ausschreibung des Architekturwettbewerbs wurde 1959 ausdrücklich formuliert, dass es gelte »im Äußeren wie im Inneren ein ‚Haus unserer Zeit‘ zu bauen.«

Die auf die Konzipierung moderner Gebäude für Bildungseinrichtungen spezialisierten Architekten Walter Kroner und Bruno Lambart haben das GHH errichtet. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 16. September 1960 statt. Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit war das Tagungs-, Veranstaltungs- und Bibliotheksgebäude fertiggestellt und wurde am 22. Juni 1963 durch den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Dr. Franz Meyers (CDU) eröffnet. Die Umbenennung der Stiftung und ihres Gebäudes in »Gerhart-Hauptmann-Haus« erfolgte 1992 unter der von Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) geführten Landesregierung. Die Umbenennung erinnert an den aus Schlesien stammenden Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann und seinen Einsatz für den kulturellen Brückenbau.

Durch ihre für alle Interessierten offenen Angebote zur politischen, historischen und kulturellen Bildung und ihre Funktion als Ort für Austausch und Erinnerung hat die Stiftung mitgeholfen, eine gesellschaftliche Marginalisierung und eine politische Radikalisierung dieser zunächst stark benachteiligten Bevölkerungsgruppe der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen abzuwenden. Zugleich hat sie, nicht zuletzt durch eine Vielzahl von grenzüberschreitenden Kooperationen wie auch regelmäßigen Studienreisen zur Verständigung und Aussöhnung mit den östlichen Nachbarstaaten Deutschlands beigetragen, auch indem sie noch immer die jahrhundertelangen historischen und kulturellen Verflechtungen mit diesen aufzeigt und das gemeinsame Erbe pflegt.

Heute schärft die »Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum« durch ihre Tätigkeit zudem das Bewusstsein für die schwerwiegenden Folgen von (Zwangs-)Migrationsprozessen weltweit und ermuntert zu Solidarität und Empathie mit den Opfern. Die Stiftungstätigkeit umfasst insbesondere auch Angebote für die nachwachsenden Generationen in Form von Schulprojekten und Hochschulkooperationen. Die stiftungseigene Leihbibliothek mit derzeit ca. 90.000 Medien ist kostenfrei für alle Interessierten besuchbar. Das Haus liegt fußläufig zum Düsseldorfer Hauptbahnhof und ist barrierearm zugänglich.


zum Ort: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. Deutsch-osteuropäisches Forum

Adresse

Bismarckstraße 90
40210 Düsseldorf

Mehr zum Thema

Kulturbrücke Ost-West. Vom Haus des Deutschen Ostens zum Gerhart-Hauptmann-Haus 1963–1993, Redaktion Walter Engel und Karl Fischer-Reichenberg, Düsseldorf, Dülmen 1993.

Erinnern – Lernen – Gestalten. Das 10-Punkte-Papier zur Zukunft der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, herausgegeben von der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf 2014.