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MDR-Standort Leipzig

Leipzig

Der Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) entstand 1991 nach der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung als öffentlich-rechtliche Landesrundfunkanstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der MDR ist Bestandteil des ab 1990 auch in Ostdeutschland eingeführten bundesdeutschen, föderal aufgestellten Mediensystems, bei dem redaktionelle Freiheit, pluralistische Kontrolle durch gesellschaftlich besetzte Gremien und Schutz vor staatlicher Einflussnahme garantiert sind.


Freie und Unabhängige Medien waren eine zentrale Forderung der Friedlichen Revolution des Herbst 1989 in der DDR. Der Gründung des MDR und die Umgestaltung des gesamten Mediensystems in Ostdeutschland gingen Konzepte und Beschlüsse der im März 1990 zum ersten Mal frei gewählten Volkskammer der DDR sowie weiterer demokratisch legitimierter Gremien voraus. Vorgesehen war die Einführung des dualen Rundfunksystems bestehend aus öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Medien und die Betonung der Rundfunkhoheit der Bundesländer, wie in der alten Bundesrepublik. Nach einer Interimsphase von Mitte 1990 bis Ende 1991, in der bereits Reformen stattfanden, wurden die vorher staatlich kontrollierten und zentral organisierten Fernseh- und Hörfunksender der DDR aufgelöst. Für die Interimszeit wurden Hörfunk und Fernsehen in eine öffentlich-rechtliche Einrichtung überführt und die Angebote regionalisiert. Im Bereich Fernsehen sendete die DFF-Länderkette, im Bereich des Hörfunks entstanden Landessender, wie z.B. das Sachsenradio mit drei Wellen aus dem alten Funkhaus in der Leipziger Springerstraße. Bis dahin waren – seit der Zentralisierung des Hörfunks in der DDR im Jahre 1952 – von dort nur noch regionale Fensterprogramme für zentral aus Ostberlin kommende Hörfunkwellen gesendet worden.

 In der Silvesternacht 1991/92 startete das MDR-Fernsehen – mit einer Live-Sendung vom Platz vor der Leipziger Nikolaikirche, einem zentralen Ort der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989. Auch die neuen Hörfunksender gingen in dieser Nacht auf Sendung: MDR-Kultur, MDR info und MDR Live aus dem Funkhaus in der Springerstraße im Leipziger Norden sowie die drei Landessender MDR 1 Radio Sachsen, MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt und MDR 1 Radio Thüringen, die von Dresden, Magdeburg und Weimar sendeten.  MDR Sputnik (ehemals DT-64) kam erst Ende 1992 hinzu. Die MDR-Zentrale in der Kantstraße im Leipziger Süden und andere MDR-Standorte wurden innerhalb weniger Jahre aufgebaut.

Von Anfang umfasste der Programmauftrag des MDR im Bereich Fernsehen die Sendung eines regionalen Vollprogramms für die drei Bundesländer seines Sendegebietes inklusive einiger bundesland-spezifischer Sendeachsen sowie sieben Hörfunkprogramme. Sachsens Landesprogramm beinhaltet Sendeplätze für die sorbische Minderheit in sorbischer Sprache.

Zum Gründungsprozess des MDR im Jahre 1991 gehörten folgende wesentliche Schritte: Am 30. Mai 1991 unterzeichneten die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen Drei-Länder-Staatsvertrag. Es folgte die Einberufung eines neunköpfigen Rundfunkbeirats, der aus je drei von den Landtagen gewählten Mitgliedern bestand. Im Juli 1991 wählten sie Dr. Udo Reiter zum Gründungsintendanten; er war zuvor Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks. Am 4. November 1991 konstituierte sich schließlich der MDR-Rundfunkrat und bestätigte den vom Rundfunkbeirat gewählten Intendanten.

Am Aufbau des MDR waren Mitarbeitende mit ganz unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen beteiligt, z.B. aus dem Hörfunk und Fernsehen der DDR, aus Rundfunkanstalten der alten Bundesländer oder auch aus anderen Bereichen kommend. In der obersten Führungsebene überwogen in den Anfangsjahren Beschäftigte, die Erfahrungen aus westdeutschen Rundfunkanstalten mitbrachten. Es galt das Tandem-Prinzip, eine westdeutsche Führungskraft hatte eine ostdeutsche Stellvertretung und umgekehrt. Trotz unterschiedlicher beruflicher Prägungen gelang ein erfolgreiches Zusammenwirken.

Am 27. November 1991 trat der MDR der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland) bei. Der MDR trägt seitdem im Bereich Fernsehen knapp 11 % zum bundesweiten Gemeinschaftsprogramm bei. Ab 1997 ist der MDR innerhalb der ARD verantwortlich für den KiKA, den ARD/ZDF-Kinderkanal mit Sitz in Erfurt und seit 2022 für ARD-Kultur, die gemeinsame Kulturplattform aller ARD-Häuser, die von Weimar aus koordiniert wird.

Zur baulichen Entwicklung des MDR gehörten folgende Schritte: Im Dezember 1991 erwarb der MDR das Gelände des ehemaligen Leipziger Großschlachthofs in der Kantstraße im Leipziger Süden. Dieses Gebäude hatte Hugo Licht Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Von Anfang 1992 bis Mitte 2000 plante, umgestaltete und entwickelte der MDR das Areal zu einem Ensemble aus denkmalgeschützten Altbauten und funktionalen Neubauten – mit einem 13-stöckigen Hochhaus in der Mitte. Bereits Anfang 1993 zog die MDR-Intendanz vom Interimsstandort im alten Funkhaus in der Springerstraße auf das neue Gelände in der Kantstraße um. Sukzessive folgten weitere zentrale Organisationsteile wie die Verwaltungs- und Betriebsdirektion; sie arbeiteten zunächst in provisorischen Interimsgebäuden. Zuletzt zogen die Redaktionen des MDR-Fernsehens nach – sie bezogen bis Mitte 2000 das zentrale Hochhaus und hatten zuvor interimsweise noch Produktionsstätten des Fernsehens der DDR in Dresden genutzt. Die MDR-Hörfunkdirektion blieb bis 1999 im Funkhaus in der Springerstraße. Danach zog sie schrittweise in das neu gebaute, moderne und digital ausgestattete Funkhaus in Halle um. In den drei Landeshauptstädten Dresden, Magdeburg und Erfurt entstanden im selben Zeitraum Landesfunkhäuser.

Ostdeutschlands Rundfunkgeschichte weist noch mehr Brüche auf wie diejenige Westdeutschlands. Dies ist auch an den Vorläuferorganisationen des MDR zu erkennen: Erster Vorläufer des MDR war die im Januar 1924 gegründete "Mitteldeutsche Rundfunk-A.G."(MIRAG) in Leipzig, die am 1. März 1924 als zweite Rundfunkgesellschaft in Deutschland ihren Sendebetrieb aufnahm. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 kam es deutschlandweit zur „Gleichschaltung des Rundfunks“, aus der MIRAG wurde im März 1934 der vom Reichspropagandaministerium gesteuerte „Reichssender Leipzig". Die NSDAP betrachtete das damals neue Medium als Machtinstrument zur politischen Volksbeeinflussung. Nach Kriegsende erfolgte am 20. November 1945 die Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks, Sender Leipzig mit seinem Nebensender Dresden, der am 3. Juni 1946 seinen Sendebetrieb aufnahm. Der damalige MDR startete im damals neu eingerichteten Funkhaus in der Springerstraße das zweite Vollprogramm in der Sowjetischen Besatzungszone neben dem "Berliner Rundfunk". 1952 kam es zur Reorganisierung und Zentralisierung des Rundfunks in der DDR, der zunehmend unter staatlichem Einfluss stand, um die Meinungsbildung im Land zu steuern. Die Funkhäuser in Leipzig und Dresden wurden zu „Bezirksstudios" mit einem deutlich verkleinerten Sendevolumen, die Mehrheit der Sendungen kam fortan aus dem zentralen Funkhaus in Ost-Berlin. Jedoch verblieben die wichtigsten Klangkörper, wie z.B. das 1924 gegründete Rundfunk-Sinfonieorchester, der Rundfunkchor, der Rundfunk-Kinderchor und ein erheblicher Teil der Hörspiel- und Musikproduktion in Leipzig. Letztere wurden in Teilen ab 1992 in den neuen Mitteldeutschen Rundfunk überführt. Der heutige MDR unterscheidet sich von den Vorläuferorganisationen deutlich durch seine öffentlich-rechtliche Struktur, zu der neben den oben beschriebenen rechtlichen Grundlagen und Prinzipien auch öffentlich besetzte Gremien - Rundfunkrat und Verwaltungsrat – gehören.


zum Ort: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR)

Adresse

Kantstraße 71 - 73
04275 Leipzig

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Clemen, Jörg; Lieberwirth, Steffen (1999): Die Geschichte des Sinfonieorchesters. Altenburg: Klaus-Jürgen Kamprad.
Dussel, Konrad (2010): Deutsche Rundfunkgeschichte, Konstanz, 3. überarbeitete Auflage.
Frey-Vor, Gerlinde und Rüdiger Steinmetz (Hg.) (2003): 10 Jahre neue Rundfunkordnung in Ostdeutschland. Jahrbuch Medien und Geschichte 2003. Konstanz.
Pfau, Hagen (2000): Mitteldeutscher Rundfunk. Radio Geschichte(n). Altenburg.