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Burg Königstein

Festungsruine Königstein

Die Burg Königstein im Taunus war nach ihrem Ausbau zur Festung ein Gefängnis für Menschen, die demokratische Ideen vertraten. Ihre Geschichte bietet einen Einblick in die frühen Auseinandersetzungen um Freiheit und politische Teilhabe in Deutschland.


Die Burg Königstein im Taunus war nach ihrem Ausbau zur Festung ein Gefängnis für Menschen, die demokratische Ideen vertraten. Ihre Geschichte bietet einen Einblick in die frühen Auseinandersetzungen um Freiheit und politische Teilhabe in Deutschland.

Die Festungsruine Königstein liegt auf einem markanten Felsen über der Stadt Königstein im Taunus. Historisch gesichert ist der Burgbau im 12. Jahrhundert. Die Anlage diente zunächst der Sicherung der Reichsstraße zwischen Frankfurt und Köln. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Herrschaftsverhältnisse mehrfach. Die Herren von Falkenstein, die Grafen von Eppstein und Stolberg, sowie später die Kurfürsten von Mainz prägten jeweils das Aussehen der Anlage. Ab dem 17. Jahrhundert nutzten die Kurfürsten die Festung nicht mehr als Residenz, sondern als Garnison und Staatsgefängnis. Damit begann jene Phase, die dem Ort seine spätere demokratiegeschichtliche Bedeutung gab.

Im Jahr 1793 geriet die Festung in den Fokus der politischen Ereignisse. Im Zuge des Ersten Koalitionskriegs war die französische Armee in Mainz einmarschiert und hatte dort die sogenannte Mainzer Republik unterstützt. Diese Republik, eine Tochterrepublik Frankreichs, war der erste Versuch, auf deutschem Boden eine bürgerlich-demokratische Ordnung zu schaffen.

Mit der Niederschlagung der Mainzer Republik und der Inhaftierung ihrer Unterstützenden endete dieser Versuch. Nach wenigen Monaten endete ihr Bestehen mit der Rückeroberung durch preußische und österreichische Truppen. Zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger der Republik wurden festgenommen. Einige kamen in die Festung Königstein, die damals als Staatsgefängnis diente. Unter den Gefangenen befanden sich Persönlichkeiten, die als frühe Vertreterinnen und Vertreter demokratischer Denktraditionen bekannt wurden.

Der Theologe und Philosoph Felix Anton Blau (1754-1798) war einer von ihnen. Er setzte sich für aufgeklärte Religionslehre und moralische Bildung ein. Während seiner Haft auf der Festung arbeitete er an einem Werk über die „moralische Bildung des Menschen“.

Auch Caroline Böhmer (1763-1809), die spätere Caroline von Schelling, war hier inhaftiert. Sie hatte im Umfeld von Mainz die republikanischen Ideen mit Begeisterung aufgenommen und stand in engem Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern der neuen Bewegung. Auf ihrer Flucht aus Mainz wurde sie festgenommen und nach Königstein gebracht. In Briefen schilderte sie die Haftbedingungen und die Behandlung der Gefangenen.

Heute ist der Königstein eine Ruinenanlage mit weitem Blick über den Taunus. Besucherinnen und Besucher können durch das sogenannte Mainzer Tor in die Burganlage gelangen, auf den erhaltenen Mauern gehen und die Überreste von Palas, Burgturm und Wehrgängen besichtigen. Informationstafeln erläutern die wechselvolle Geschichte der Anlage – von der mittelalterlichen Burg über die Zeit der Mainzer Festung bis hin zu ihrer Rolle im späten 18. Jahrhundert.

Können Gefängnisse Orte der Demokratiegeschichte sein? Am Beispiel der Festung Königstein lässt sich diese Frage gut diskutieren. Hier wird deutlich, dass Orte des Freiheitsentzugs auch Räume sein können, in denen demokratische Ideen bewahrt, reflektiert und weitergedacht wurden. Als Gefängnis für frühe Demokratinnen und Demokraten steht die Festungsruine für den Bruch zwischen alten Herrschaftsformen und neuen politischen Ideen.


zum Ort: Kur- und Stadtinformation Königstein im Taunus

Mehr zum Thema

Traub, S. (2025). Von den Anfängen der Demokratie in Deutschland: Die Mainzer Republik. Geschichte für Heute, 18(1), 9–16. https://doi.org/10.46499/2532.3284