© SR, Foto: Pasquale D'Angiolillo

Saarländischer Rundfunk

Funkhaus Halberg

Der Saarländische Rundfunk (SR): Vom französischen Verwaltungssitz auf dem Saarbrücker Halberg über die „Europawelle Saar“, die in der DDR heimlich gehört wurde, bis hin zur heutigen Rolle als deutsch-französischer Brückenkopf in der Großregion.


Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Saarland zunächst unter französischer Verwaltung. Frankreich setzte ab 1945 den Diplomaten Gilbert Grandval als Militärgouverneur und später als Hohen Kommissar ein. Er residierte auf dem Saarbrücker Halberg im Schloss Halberg, das in dieser Zeit als französischer Verwaltungssitz diente.

Nach der Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 trat das Saarland am 1. Januar 1957 der Bundesrepublik Deutschland bei und war damit das erste Gebiet, das nach 1949 zur Bundesrepublik hinzukam („Kleine Wiedervereinigung“). Mit der offiziellen Eingliederung des Saarlandes wurde auch der Saarländische Rundfunk (SR) Mitglied der ARD.

Obwohl der SR der am weitesten westlich gelegene Sender der Bundesrepublik war, verstand er sich stets auch als eine Funkbrücke in die DDR. Laut SR-Intendant Dr. Franz Mai war die am 2. Januar 1964 ins Leben gerufene „Europawelle Saar“ auch als „Quelle der Information für unsere Brüder jenseits der Mauer“ gedacht. Das erste SR-Hörfunkprogramm hatte dank einer weit reichenden Mittelwelle 1421 kHZ viele Hörerinnen und Hörer auch in der DDR.

Einer der zahlreichen Fans der „Europawelle Saar“ war der damals 18-jährige Oberschüler Günter Zettl. Besonders gern hörte er die Pop-Sendung „Hallo Twen“ mit Manfred Sexauer. Zettls Postkarte auf ein Musikrätsel kam aber nicht in der SR-Redaktion an. Die DDR-Geheimpolizei „Stasi“ hatte sie abgefangen und damit Zettls Stasi-Akte eröffnet. 2013 entdeckte Günther Zettl seine damalige Postkarte in seinen Stasi-Unterlagen. Er schickte die Karte dem Lieblingssender seiner Jugend erneut und schrieb dazu: „Was für ein Land, diese heute oftmals verklärte DDR.“ Seine um rund 45 Jahre verspätete Postkarte wurde zu einem Dokument deutsch-deutscher Geschichte.

Auch der in Jena geborene systemkritische Schriftsteller Lutz Rathenow hörte bereits als Schüler regelmäßig die Europawelle Saar. In einem Essay (Erstendung am 13.5.1999 auf SR 2 KulturRadio in der Reihe „Literatur im Gespräch) hat er seine lange Beziehung zum Saarländischen Rundfunk beschrieben: „Wahrscheinlich wäre ich ohne die Europawelle Saar später kein Dissident geworden. Dafür waren also der Westen an sich und Saarbrücken im Besonderen verantwortlich. Der selbstbewusst fröhliche Ton des Moderators steckte an: die Stimme Saarbrückens als Stimme des Westens, der zuallererst einmal der Nicht-Osten war. Ich hatte ja nichts gegen die DDR. Ich hatte aber etwas gegen ein Land, das mir solche Rundfunksendungen vorenthielt.“

Ein SED-Propagandist forderte, man solle das „tönende Ungeheuer aus Saarbrücken“ durch einen Störsender unschädlich machen. In allen Landesrundfunkanstalten der ARD hatte das Ministerium für Staatssicherheit der DDR seine Inoffiziellen Mitarbeiter (IM);  fünf waren es allein beim Saarländischen Rundfunk. Alle ARD-Sendeanstalten waren während des Kalten Krieges für die DDR „gegnerische Medien“. Ihre Funkhäuser und Sendeanlagen galten als „Feindobjekte“.

Heute ist der Saarländische Rundfunk vor allem Brückenkopf in die Großregion. Der SR hat ein deutsch-französisches Profil, das einmalig ist in der ARD. Das hängt mit der ganz besonderen Geschichte des saarländischen Kulturraums zusammen, der immer zugleich Streitobjekt und Verbindungsstück zwischen Frankreich und Deutschland war. Der SR sieht sich als mediale und institutionelle Brücke zwischen beiden Ländern und berichtet nahezu täglich in seinen Programmen über Frankreich und die Großregion. Unmittelbar vor Schloss Halberg wurde jüngst ein deutsch-französischer Freundschafts- und Friedensbaum gesetzt.

Wer sich für die Gebäude und Studios des Saarländischen Rundfunks auf dem Saarbrücker Halberg interessiert, ist bei Führungen stets willkommen. Auf dem „Rundweg Historischer Halberg“ lassen sich außerdem Relikte aus der bedeutsamen Vergangenheit des Berges entdecken. Als Heimatgeber und Identitätsstifter des Saarlandes fühlt sich der SR dem Erbe dieses Ortes verpflichtet und hat deshalb 2017 anlässlich seines 60. Geburtstags den Rundweg neu konzipiert und gestaltet. Insgesamt 19 Stelen mit Informationen und jeweiligem QR-Code, der über die Webseite SR.de vertiefende Texte in Deutsch und Französisch zu den historischen Hintergründen bietet, zeichnen die Einzigartigkeit der wichtigsten Stätten auf dem Halberg aus.

Regelmäßig finden im Funkhaus Halberg neben Sendungen und Konzerten mit Publikum auch Ausstellungen statt, die für jeden und jede zugänglich sind.  Dazu zählt auch die jährliche Ausstellung „Medienkompetenz stärken – journalistischen Schülernachwuchs fördern“ in Kooperation mit dem Deutschen Zeitungsmuseum.


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Franz-Mai-Straße
66121 Saarbrücken

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Hans Bünte, u. a. hrsg. v. Fritz Raff und Axel Buchholz: Geschichte und Geschichten des Senders an der Saar – 50 Jahre Saarländischer Rundfunk. Herder Verlag 2007.

Thomas Kleist, Axel Buchholz (Hrsg.): Fundstücke aus 60 Jahren Saarländischer Rundfunk. Geistkirch Verlag 2017, Saarbrücken.