Wilhelm-Liebknecht-Jahr 2026

Mit einem Festtag ist am 29. März 2026 in Gießen das Wilhelm-Liebknecht-Jahr eröffnet worden. Hunderte Gäste kamen zusammen, um den 200. Geburtstag eines wichtigen Demokraten des 19. Jahrhunderts zu feiern – mit Talks, Musik, Theater und Gesprächen. Neben Liebknechts Urenkelin Marianne Liebknecht nahmen auch Bodo Ramelow (Vizepräsident des Deutschen Bundestages), Martin Schulz (Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung) und unser Stiftungsdirektor Dr. Kai-Michael Sprenger teil.

Der Tag stand ganz im Zeichen jener Werte, für die Wilhelm Liebknecht Zeit seines Lebens kämpfte: soziale Gerechtigkeit, Bildung, Frieden und Demokratie. Diese Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Jubiläumsjahr, das die Stadt Gießen bis Ende 2026 mit einem vielfältigen Programm begeht.

Ein Sohn der Stadt – ein Demokrat für die Welt

Wilhelm Liebknecht war als Revolutionär an der 1848er-Revolution beteiligt, die die Gründung des ersten deutschen Nationalstaats zur Folge hatte. Neben August Bebel war er Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, leidenschaftlicher Parlamentarier und entschiedener Kriegsgegner. Aufgrund seiner politischen Überzeugungen wurde er verfolgt, mehrfach inhaftiert und lebte in der Schweiz und in London im Exil. Er war Journalist, unter anderem Chefredakteur des „Vorwärts“, und Reichstagsabgeordneter. Sein Wirken ist bis heute parteiübergreifend relevant: Er betonte die zentrale Bedeutung von Bildung und setzte sich für die Selbstorganisation und politische Institutionalisierung der Arbeiterbewegung ein. Seine Werte Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit sind bis heute zentral für jede Demokratie.

Als er am 7. August 1900 in Charlottenburg starb, ehrten ihn rund 150 000 Menschen als eine von zwei Führungsfiguren der deutschen Sozialdemokratie.

Auftakt in Gießen: Ein Geburtstag, viele Stimmen

Dr. Kai-Michael Sprenger eröffnete den Tag mit einem Impulsvortrag zur Bedeutung Wilhelm Liebknechts für die deutsche Demokratiegeschichte und die Aktualität seiner Ideen für unsere politische Gegenwart. Im anschließenden Talk „Demokratie gestalten – damals und heute: Perspektiven auf Wilhelm Liebknecht“ diskutierte Bodo Ramelow gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Kultur und Gewerkschaften über soziale Gerechtigkeit, Beteiligung und Verantwortung in einer lebendigen Demokratie. Den feierlichen Höhepunkt des Nachmittags setzte schließlich Martin Schulz mit seiner Festrede, in der er Liebknecht als Gründungsvater der Sozialdemokratie und Mahner für Freiheit, Solidarität und Bildung würdigte.

Der Festtag am 29. März bot inspirierende Begegnungen: Gespräche über die Gestaltung von Demokratie gestern und heute, musikalische Beiträge von „Die Grenzgänger“, Mitmach-Aktionen wie das „Wheel of Liebknecht“ und kulinarische Dialoge bei „Brot und Suppe“. Das Stadttheater Gießen setzte den Abend fort: Mit Thomas Freyers Stück „Dumme Jahre“ und einem „Runden Tisch der Demokratie“ wurde Liebknechts Erbe auch künstlerisch reflektiert – im Gespräch mit Wissenschaft, Theater und Publikum.

Ein Jahr voller Demokratie-Impulse

Das Jubiläumsjahr Liebknecht200 lädt dazu ein, Liebknechts Gedanken in heutige Fragen zu übersetzen. Viele Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Kunst und Kultur tragen dazu bei, Gießen zu einem Labor demokratischer Ideen zu machen.

Einige Höhepunkte des Programms:

  • 11. Mai: Hessischer Bibliothekstag, Kongresshalle Gießen
  • 29. Mai: Vernissage „Von Barrikaden und Parlamenten. Wilhelm Liebknechts Ideen für die Demokratie“, Museum für Gießen
  • 23.–24. Oktober: Festigress „Ars Democratica – Kunst der Demokratie“ an verschiedenen Orten in der Stadt
  • 5.–6. November: Konferenz „Demokratie made in Gießen“, Justus-Liebig-Universität

Dazu kommen Workshops, Stadtführungen, Performances und Diskussionsveranstaltungen rund um Bildung, Frieden, soziale Fragen und demokratische Teilhabe.

Mitmachen erwünscht!

Das Projekt Liebknecht200 versteht sich als wachsendes Netzwerk: Die Stadt Gießen ruft alle Interessierten dazu auf, eigene Beiträge beizusteuern und Veranstaltungen auf der Website www.liebknecht200.de einzutragen. „Wir wollen zum Zentrum der Liebknecht-Veranstaltungen werden und das bundesweite Angebot hier bündeln“, sagt Dr. Stefan Neubacher, Leiter des Kulturamts Gießen und Initiator des Projekts.

Bildquellen

  • Talk: Demokratie gestalten – damals und heute: Perspektiven auf Wilhelm Liebknecht: © Stadt Gießen, Foto: Ralf Hofacker
  • Auf ein Wort bei Brot und Suppe – Wilhelm Liebknecht in Gesprächen: © Stadt Gießen, Foto: Ralf Hofacker
  • Wheel of Scores lädt auf der Geburtstagsfeier von Wilhelm Liebknecht zum Mitmachen und Entdecken ein.: © Stadt Gießen, Foto: Ralf Hofacker
  • Festakt (mit Martin Schulz): © Stadt Gießen, Foto: Ralf Hofacker