Demokratie lebendig erzählen

Kennen Sie Louise Otto-Peters? Bärbel Bohley? Katrin Hattenhauer? Diese Frauen haben entscheidend dazu beigetragen, dass Deutschland heute eine Demokratie ist. Ihre Namen aber sind vor allem Kennerinnen und Kennern vorbehalten. Das Projekt „Mit Verstand und Tatkraft – Frauen kämpfen für die Demokratie“ setzte hier an und zielt darauf ab, den bedeutenden Anteil, den Frauen an der Demokratiegeschichte Deutschlands haben, stärker im Allgemeinen in die Öffentlichkeit zu tragen und im Speziellen in den Schulalltag zu verankern.

Von der Paulskirche bis zur Nikolaikirche

Ob 1848 oder 1989 – Frauen waren stets Teil demokratischer Aufbrüche, aber selten Teil der Erzählungen darüber. Louise Otto-Peters kämpfte während der Revolution von 1848/49 für politische Gleichberechtigung und Bildung für Frauen. Insgeheim nahm sie an den Sitzungen der Frankfurter Paulskirche teil. Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns riskierten in der DDR Freiheit und Sicherheit für ihre Überzeugungen vor der Nikolaikirche in Leipzig.

Schülerinnen und Schüler als Geschichtserzählerinnen und -erzähler

Den verloren gegangenen Erzählfaden nehmen nun Jugendliche an den Orten deutscher Demokratiegeschichte wieder auf: Sie lesen Primärquellen, analysieren Biografien und entwickeln daraufhin eigene Videobeiträge – in Formaten, die sie aus ihrer Lebenswelt kennen. Eine Room-Tour durch die Paulskirche. Ein nachgestelltes tagesschau-Format vom 4. September 1989. Ein fiktives Interview zwischen Robert Blum und Louise Otto-Peters. Ein Reenactment einer mutigen Protestaktion. Was in Workshops mit Klassen aus Frankfurt und Leipzig bereits entstanden ist, zeigt eindrucksvoll: Wenn Schülerinnen und Schüler historische Inhalte in ihre eigene Sprache übersetzen, wird Geschichte wieder lebendig – und es entsteht echte Begeisterung für die Demokratie.

Website Demokratiefrauen mit Schülervideos, Unterrichtsmaterialien, Materialpool und Lehrerhandreichung entdecken

Auf der Plattform Demokratiefrauen finden Lehrkräfte, Bildungsträger und Interessierte neben den bereits umgesetzten Videos alle weiteren Materialien gebündelt an einem Ort, um mit der eigenen Klasse das Vorhaben selbst umzusetzen und so die Plattform mit weiteren kreativen Inhalten zu beglücken: Porträts bedeutender Demokratinnen mit Hintergrundtexten, Zitaten und Zeitstrahlen, interaktive Unterrichtsmaterialien mit Verlinkungen zu Film-, Ton- und Bildquellen sowie eine umfassende, modular, in Bausteinen aufgebaute Lehrerhandreichung mit didaktischem Leitfaden.

Inspiriert von erfolgreichen digitalen Formaten der Geschichtsvermittlung wie den „Geschichtsfluencerinnen“ Leonie Schöler, Susanne Siegert (Keine Erinnerungskultur) oder dem Kanal „MrWissen2Go“ verbindet das Projekt historisches Lernen mit gegenwärtigen Erzählweisen.

Bildquellen

  • Abbildung 1: Grafik Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung/Anja Malz
  • Abbildung 2: Grafik Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung/Anja Malz
  • Schülerinnen beim Workshop: (c) Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung, Foto: Frederic Zauels
  • Schülerinnen bei den Dreharbeiten: (c) Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung, Foto: Frederic Zauels
  • Schüler beim Workshop in der Paulskirche: (c) Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung, Foto: Frederic Zauels
  • Schülerinnen beim Workshop: (c) Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung, Foto: Frederic Zauels