Deutsches Exilarchiv 1933–1945

Sylvia Asmus führt durch die von ihr kuratierte Ausstellung “Exil. Erfahrung und Zeugnis”. Was bedeutet es, ins Exil gehen zu müssen? Was erlebt man dort? Gibt es ein Ende des Exils? Und was bleibt vom Exil? Erstmals in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte eröffnet das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek eine Dauerausstellung, die sich mit diesen Fragen beschäftigt. Die Ausstellung präsentiert ausschließlich Zeugnisse aus dem Deutschen Exilarchiv. Die mehr als 250 Originale aus Nachlässen und über 300 Publikationen ermöglichen einen multiperspektivischen Blick auf das Exil 1933 bis 1945. Und sie zeigen zugleich: Die Erfahrungen dieses historischen Exils sind vielfältig und individuell. Es sind Erfahrungen von Bruch und Verlust ebenso wie von Neuanfang und Zugewinn. Sylvia Asmus ist Leiterin des Exilarchivs.

Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek ist ein Ort der Auseinandersetzung mit den Themen Exil und Emigration während der Zeit des Nationalsozialismus. Eine einzigartige Sammlung von Exilpublikationen und Exilzeitschriften, persönlichen Nachlässen, Beständen institutioneller Provenienz sowie umfangreichen Freihandbeständen steht für Forschende zur Verfügung. Mit analogen und virtuellen Ausstellungen, einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm und Publikationen vermittelt das Exilarchiv seine Themen in die Öffentlichkeit und lädt zum Dialog ein.

Die Gründung des Exilarchivs in der frühen Nachkriegszeit wurde von Exilierten mitinitiiert. Die Mitglieder des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller in der Schweiz sahen in der Sammlung ein Instrument der politischen Aufklärung, „ein Kampfmittel gegen das sich von neuem erfrechenden Nazitum“. Diesem Anliegen fühlt sich das Deutsche Exilarchiv bis heute verpflichtet.

Es gibt nicht das eine Exil und auch nicht die eine Exilerfahrung. Exil ist ein vielschichtiges Phänomen. Die Erfahrungen des Exils sind individuell. Das historische Exil stellt immer wieder neue Fragen an die Gegenwart, die Gegenwart stellt zugleich immer wieder neue Fragen an die Geschichte. Mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Lesungen, Führungen sowie zielgruppenspezifischen und museumspädagogischen Angeboten vermittelt das Deutsche Exilarchiv die vielseitigen Aspekte des Exils in die Öffentlichkeit.

2018 wurde die Dauerausstellung „Exil. Erfahrung und Zeugnis“ in Frankfurt am Main eröffnet. Ausgewählte Exponate können auch in der gleichnamigen virtuellen Ausstellung erkundet werden. Im digitalen Raum ist auch das kooperative Netzwerkprojekt „Künste im Exil“ verortet, das Expertise und Exponate von mehr als 30 Netzwerkpartner*innen versammelt und vom Deutschen Exilarchiv federführend betreut wird. In wechselnden analogen und virtuellen Sonderausstellung werden unterschiedliche Aspekte des Exils dargestellt, dabei reichen die Themen vom historischen Exil bis zu gegenwärtigen Phänomenen. Für Schüler*innen gibt es ein Angebot zum Entdecken und Lernen.

Die Erfahrung des Exils wirkt sich auf sämtliche Lebensbereiche aus. Die Bestände und der Sammlungszuschnitt des Deutschen Exilarchivs spiegeln diese Vielfalt wider. Mehr als 33.000 Exil-Publikationen, über 34.000 Zeitschriftenhefte und Bände, 333 persönliche Nachlässe von Exilantinnen und Exilanten sowie Archive von Exilorganisationen und eine umfangreiche Sammlung von Einzelautografen wurden seit 1949 zusammengetragen. Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 sammelt berufsübergreifend und ohne Wertung der Prominenz der Bestandsbildner*innen. So werden die vielschichtigen Erfahrungen und zahlreichen Facetten des Exils in der Sammlung sichtbar. Hinzu kommen umfangreiche Freihandbestände zu den Themengebieten Exil und Shoah.

Die Bestände des Exilarchivs sind im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek online recherchierbar. Die Exilmonografien liegen digitalisiert vor und sind je nach Rechtslage weltweit oder in den Lesesälen in Frankfurt am Main und Leipzig abrufbar. In den Projekten „Exilpresse Digital“ und „Jüdische Periodika aus NS-Deutschland“ wurden seltene Periodikabestände erfasst und digitalisiert. Auch diese Digitalisate sind über das Portal der Deutschen Nationalbibliothek frei verfügbar. Die analogen Bestände können im Frankfurter Handschriftenlesesaal des Exilarchivs eingesehen werden.

Links

Übersicht Mitarbeitende: https://www.dnb.de/DE/Ueber-uns/DEA/Mitarbeiter/mitarbeiter_node.html#doc57674bodyText1
Katalog Bestände Exilarchiv: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showSearchForm&selectedCategory=dea#sprg153176
Katalog Exilpresse: https://www.dnb.de/DE/Sammlungen/DEA/Exilpresse/exilpresse_node.html
Katalog jüdische Periodika aus Nazi-Deutschland: https://www.dnb.de/DE/Sammlungen/DEA/Periodika/juedischePeriodika_node.html
Kontakt: exilarchiv@dnb.de

Bildquellen

  • Die Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945: Anja Jahn
  • Führung in der Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs: DNB, Stephan Jockel, CC-BY 4.0
  • Außenansicht Deutsches Exilarchiv: DNB, Stephan Jockel, CC-BY 4.0
  • Führung in der Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs: DNB, Stephan Jockel, CC-BY 4.0