Der Salmen in Offenburg

Offenburg gehört zweifellos an prominenter Stelle auf die Landkarte der europäischen Orte der Demokratiegeschichte. 1847 trafen sich die „Freunde der Verfassung“, der radikaldemokratische und liberale Flügel des späteren Paulskirchenparlaments um Gustav Struve und Friedrich Hecker, im Gasthaus „Salmen“. Hier verabschiedeten sie im Festsaal über dem Pferdestall mit den „13 Forderungen des Volkes in Baden“ den ersten Grundrechtekatalog der deutschen Geschichte. Gefordert wurden Pressefreiheit, persönliche Freiheit, gerechte Steuern, Bildung für alle, eine volkstümliche Staatsverwaltung und die „Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen Arbeit und Capital“. Damit wurde das Fundament unseres Grundgesetzes gelegt. Später nutzte die jüdische Gemeinde Offenburgs den „Salmen“ ab 1875 als Synagoge. Die Nazis plünderten und schändeten diesen Ort in der Reichspogromnacht im November 1938.

Die Öffentlichkeit entdeckte die historische Bedeutung des „Salmen“ für die deutsche und europäische Geschichte erst wieder 1997. Anlass waren die Feierlichkeiten zu „150 Jahre Badische Revolution“. Die Stadt Offenburg erwarb das Gebäude, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Elektroladen genutzt worden war. Nach umfangreichen Restaurierungs-, Um- und Anbauarbeiten eröffnete Bundespräsident Johannes Rau 2002 den mittlerweile zur Kultur- und Erinnerungsstätte von nationaler Bedeutung aufgewerteten Salmen. Er steht wie kein zweites Gebäude in Deutschland für die Brüche der deutschen Geschichte: einerseits die Hoffnung auf Demokratie und Mitbestimmung 1847 bis 49, andererseits die komplette Pervertierung dieser Hoffnung in den Jahren 1933 bis 1945.

In den nächsten beiden Jahren wird der Salmen erneut umgebaut, modernisiert und dann der Öffentlichkeit in höherem Maße als bisher zugänglich gemacht. Offenburg, 25 Kilometer vom Europaparlament in Straßburg entfernt, nimmt mit dem „Salmen“ einen herausragenden Platz innerhalb der Orte der Demokratiegeschichte ein – neben der Frankfurter Paulskirche, der Erinnerungsstätte in Rastatt, dem Hambacher Schloss und dem Reichstag in Berlin. Das alljährlich im September stattfindende Salmengespräch thematisiert in unterschiedlichen Formaten die Aktualität einer der 13 Forderungen. Die Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der Erinnerungs- und Gedenkkultur der Stadt Offenburg, insbesondere auch zur NS-Geschichte und zum Holocaust, sind eng mit dem „Salmen“ verbunden.

Bildquellen

  • Offenburger Salmen, Historischer Salmensaal: Hubert Braxmaier
  • Offenburger Freiheitsfest: Nathalie Butz
  • Offenburger Salmengespräche: Christian Kessler
  • Salmen Offenburg: Stadt Offenburg